Premium Coffee Culture since 1901

Lernen Sie uns kennen

Wir kündigen mit großer Freude die Eröffnung unseres Standortes in den USA an!

Seit vielen Jahren haben wir in Amerika einige Kunden, die wir direkt vom Herkunftsland mit Kaffee beliefern. Mit unserem neuen Standort in den USA hoffen wir den Anforderungen unserer Kunden auf der anderen Seite des großen Teiches noch besser gerecht zu werden.

New York war schon immer ein Epizentrum der Unternehmensgründung und Innovation. Als Knotenpunkt des Finanzwesens und einer globalen, integrativen Kultur, bietet es sich als attraktiver Startpunkt an.

Sam stammt aus dem fernen australischen Melbourne. Seine Karriere in der Kaffeeindustrie begann in den zentralen Mittelgebirgen Vietnams. Angezogen von den glänzenden Lichtern von New York City und vor allem der Aussicht bei Europas führendem Händler für Spezialitätenkaffee, List + Beisler, anzufangen, ist Sam heute dafür verantwortlich L+Bs Eintritt in den nordamerikanischen Markt zu beschleunigen.

Wenn er nicht gerade dabei ist der Sonne oder den Wellen hinterherzujagen, findet man Sam bei der Rasenpflege, oder dabei mit Leidenschaft die Unterschiede zwischen Rugby und australischem Football zu erklären.

Lernen Sie uns kennen

Der erste zertifizierte SCA Premier Training Campus in Deutschland

Was ist ein SCA Premier Training Campus?

Kurz gesagt handelt es sich um ein SCA Mitgliedsunternehmen oder eine Organisation, die sämtliche Anforderungen der SCA erfüllt und dadurch die Zulassung erhalten hat, Kaffeekenntnisse mit SCA-Zertifizierung zu lehren.

Weltweit gibt es viele solcher Campusse und jedes Jahr kommen neue hinzu. Wir sind stolz darauf, in Deutschland ganz oben auf der Liste zu stehen. Als Campus streben wir danach, einzigartige Erlebnisse im Bereich Kaffeekunde anzubieten – dabei engagieren wir uns stark für hohe Standards bei den Lernerlebnissen.

Owen Thom besuchte im Rahmen der Zertifizierung unsere Ausbildungsstätte und teilte sein Feedback mit uns:

keyboard_arrow_right„Die Lernumgebung ist ungewöhnlich, aber perfekt und für unsere Zwecke gut nutzbar. Die Teilnehmer können sich entspannen und in einem friedvollen, komfortablen Rahmen lernen."

keyboard_arrow_right„Alles in allem hat List und Beisler großartige Voraussetzungen, um den Status eines grünen und sensorischen Premium Training Centers zu erhalten und erfüllt diesbezüglich alle notwendigen Standards."

Wenn Sie mehr über den Premier Training Campus erfahren möchten, bietet die Webseite der SCA viele weitere Informationen.

Warum haben wir uns für die Zertifizierung entschieden?
Bei List + Beisler streben wir danach sowohl intern als auch extern hohe Qualitätsstandards für Kaffee zu fördern. Das bedeutet ein ausdrückliches Bekenntnis zu Qualitätsstandards im Unternehmen, während nach außen ein aktives Konzept der Kaffeekunde und deren Förderung verfolgt wird. Wir wollen uns so aufstellen, dass andere von unserem Wissen profitieren können.

Wir meinen es ernst: Kaffee ist unsere Leidenschaft und die Zertifizierung war unser Weg, um einerseits hohe Qualitätsstandards für Kaffee und Bildung zu realisieren, und andererseits unser Engagement nach außen darzustellen.

Im Ursprung

Den Menschen im Ursprung etwas zurückgeben

Im Februar 2018 haben wir mit unseren äthiopischen Partnern, Moplaco, die Kaffeeregion Sidamo besucht. Während dieser Reise haben wir Produzenten getroffen, aber auch eines der Projekte kennengelernt, die Moplaco in dieser Region gemeinsam mit der örtlichen Bevölkerung entwickelt hat: Die Sergera Grundschule.

Diese Schule wurde vor mehr als 8 Jahren mit dem Vorsatz gebaut, ein Umfeld zu schaffen, in dem Kinder gerne zur Schule gehen. Von Jahr zu Jahr hat sich die Anwesenheitsrate verbessert und heute besuchen etwa 2000 Kinder diese Schule. Seit ihren Anfängen hat sich die Schule merklich verbessern können und ist, wie die Mitarbeiter bei Moplaco sagen, "eine kontinuierliche Meisterleistung".

Die Schule läuft im Schichtbetrieb, morgens und nachmittags mit jeweils 1000 Kindern pro Schicht. Zur Zeit gibt es 10 Klassenzimmer, von welchen nur 2 mit Betonböden ausgestattet sind; die restlichen haben sandige Lehmböden, die mit Holzstreifen abgedeckt sind. Diese Art von Bodenbelag ist zwar kostengünstig, aber auch die ideale Umgebung für Flöhe, die ein großes Problem für die überbelegten Klassenzimmer darstellen.

Bei List + Beisler glauben wir daran nachhaltige Gemeinschaften in der Kaffeeindustrie zu fördern. In diesem Fall haben wir uns entschieden mit Moplaco zu kooperieren und der Gemeinde von Sergera dabei zu helfen, weitere Klassenzimmer zu renovieren, die Böden und Wände auszubessern, und diese mit Möbeln auszustatten, um eine sicherere und gesündere Umgebung für die Kinder zu schaffen; einen Ort, an dem sie unter besseren Bedingungen lernen und arbeiten können.

Das Projekt ist für März 2018 bis Dezember 2018 angesetzt und wir werden während dieser Zeit die gesamte Projektgestaltung leiten. Moplaco wird als Leiter des Gesamtprojektes mit uns zusammenarbeiten, während die Mitglieder der Sergera-Gemeinde tatkräftig am Projekt mitarbeiten.

Wir glauben, dass eine übergreifende Verbesserung der Infrastruktur den Kindern die Möglichkeit geben wird, unter angemessenen Bedingungen zu lernen.

Wir halten Sie mit Neuigkeiten zu diesem Projekt auf dem Laufenden.

Rückblick

Deutschlands erster Q-Arabica Kurs + Exam

Im Februar 2019 fand in unserem Schulungsraum in Berlin der erste Q-Arabica Kurs & Examen Deutschlands statt. Zwölf TeilnehmerInnen aus ganz Europa wurden geschult und in insgesamt 19 Prüfungen getestet um am Ende die höchste Zertifizierung in der Welt der Kaffee-Sensorik zu erhalten: den Q-Grader.
Aufgrund der hohen Nachfrage werden wir sicherlich im zweiten Halbjahr 2019 gleich den nächsten Q-Grader Kurs anbieten. Bei Interesse melden Sie sich gern bei uns.

Im Ursprung

Ursprungsreise nach Tansania

Tansania, August 2019

Pünktlich zum Start der Ernte, haben wir uns auf den Weg nach Nord-Tansania gemacht. Wir wollten uns ein Bild davon machen, was die kommende Ernte bringen wird und haben gleichzeitig der Edelweiss Farm einen ersten Besuch abgestattet. Genug Vorhaben, auf die wir uns freuen konnten! 

Unsere einzelnen Stationen und eine Routenübersicht gibt es auf dieser Karte.

In Tansania

Machare Estate, Kilimandscharo

Machare Estate, Kilimanjaro. Starting off in the Kilimanjaro region, we were welcomed with unusual sunshine for these times. Machare Estate allows you to have a cup of coffee with a direct view onto Kilimanjaro. The farm is surrounded by two rivers and nestled on the lush slopes of the Kilimanjaro Mountain. Bente, the owner of Machare, aims to cultivate 100 % organically certified coffee in a few years. She has quite some talent to teach herself things that go beyond her in-depth knowledge of coffee: an irrigation system that supplies the whole plantation with only one pump and a Tanzanian-tailored organic fertilizer are only two of the projects she successfully executed in the past years. Imagine a farm that has experimented with so many best practices from all over the world, that it is considered state-of-the-art coffee processing in East Africa. This results not only in a unique set-up involving much of the surrounding communities but also in a high-quality cup that constantly convinces with beautiful aromas and high complexity. Machare's coffees are full of tomato, bergamot and berries that play with smooth citric acidity. We have had these coffees for several years now and can only support her engagement that reflects these colorful aromas in one cup.

During our visit in August, parts of the Machare Estate had ripened much earlier than in previous years. Picking in lower altitudes had already begun. Not only on Machare, but also on the many surrounding smallholder farms, people had started to pick the first ripe cherries. Samples should come to our lab in November, first coffees should reach our warehouse in Germany by March.

Last year, we entered a joint project to strengthen Machare's surrounding communities. To us, a strong coffee community with established infrastructure enables synergies as well as stable supply from the region. The goal of the project was to imrpove coffee processing for Machare's neighboring Central Pulping Units (CPU's). These CPU's are owned and operated by the surrounding smallholder farmers to depulp, ferment, wash and dry the parchment of many in one facility. Together with Bente, we decided to supply the CPU's with shade nets and plastic canvas to support their drying processes on African drying beds. Originally, shade nets were used in olive processing, covering the olives and drying them in a more gentile way. Farmers at the Kilimanjaro already dry their parchment in the shade of many trees. Nevertheless, these nets still come in handy. Drying the parchment involves regular turning to ensure constant quality. Placing the parchment on nets rather than directly on wire has several advantages:

keyboard_arrow_rightThe wire is hard to replace or repair as the material is rising in price

keyboard_arrow_rightHandling becomes easier, no beans are missed out on or fall through the wire, parchment can be poured all at once

keyboard_arrow_rightAlready tucked in nets, parchment can be quickly wrapped in canvas in order to protect from rain and humidity at night

The CPU's range in size: the biggest one in the area gathers 74 farmers while others collect the cherries of 10 farmers only. A total of 158 shade nets and 100 plastic canvas were given to 13 CPU's neighboring Machare. Using the shade nets means another step to professionalization and towards a more consistent quality. Easing the work of coffee farmers supports keeping the farm job attractive for generations to follow. Ensuring a stable coffee infrastructure usually creates greater coffees for roasters and coffee lovers. Thank you Bente for your support!

In Tansania

Kleinbauern-Kooperativen, Kilimandscharo

Smallholder cooperatives, Kilimanjaro. Our second visit took us a bit east of the Kili to the producers of our regional coffees "Kulala Kifaru""Lulu Kaskazini" and "Mamsera Amcos". While the first two coffees represent a mix from several cooperatives, Mamsera Amcos coffee stems from a single-cooperative.
Seven members of the UTZ-certified Mamsera Amcos welcomed us at their headquarters and warehouse. Their modern organization is led by a female manager and supported by a retired accountant of the Tanzanian Coffee Board. In total 2,000 members bring their parchment to the cooperative to be weighed and sold. A similar set-up was found at another cooperative called Mamba South Cooperative. We got to speak to several farmers and members of the cooperatives. All of them named similar challenges they are currently facing: costs for fertilizers, aging trees and especially the youth leaving to the cities.

To tackle these challenges, the cooperatives have come up with practical solutions: regular trainings teach the farmers how to produce their own fertilizers as done at the farm of Christian Arestides Massae (see picture). In cooperation with an NGO, they are also setting up a nursery to slowly replace some of the 100-year-old trees by fresh and more productive ones. In addition, the farmers exchange their experiences in pruning with "promoter farmers" within the cooperatives. Convincing the youth to follow in coffee growing remains the most challenging problem though. By employing young people, the cooperatives try to create a bridge between the generations. They also award the best 45 farmers as an incentive for good quality and prestige. Yet, according to them, the average age of a coffee farmer in the Kili area currently lies above 60. Next to climate change, we also consider this as one the critical points for future coffee production. The cooperatives have done a great job in this area and we hope to have a continuous coffee flow in the future, too!

By buying these coffees, you certainly contribute to supporting the smallholder farmers from these cooperatives, too. Coffees from this area tend to be slightly floral and come with an intense citric acidity. We expect the first samples from this area in November and are excited to see what this year's production will bring!

In Tansania

Edelweiss, Ngorongoro Krater

Edelweiss Estate, Ngorongoro Crater. Heading west from Moshi, our next destination led us to the Arusha Coffee Mill. This dry mill is owned by the Edelweiss Estate and mills the parchment of 4-5 neighboring farms next to their own. We got to cup the first Edelweiss lots from lower altitudes. Neel Vohora, the third generation owner of the farm, loves to experiment with different processing styles. This upcoming crop there will be refreshing samples of carbonic maceration, anaerobic fermentation and honey coffees to be checked out. First samples should reach us in the second half of September, with shipments reaching us in Jan/Feb.

The Edelweiss Estate consists of two neighboring farms: Edelweiss and Helgoland/Ascona. The funky German names are a heritage from German settlement in the early 20th century. Both farms are adjacent to the Ngorongoro Conservation Area with an abundance of wildlife such as elephants, buffalos, lions, the endangered black rhinos and zebras. This wildlife is both a blessing and a curse. On the one hand, this land remains a diversified part of its natural surroundings. On the other hand, the coffee trees have undergone a quite stringent rejuvenation program over the past ten years, production is said to reach a new peak this year. Yet, buffalos and elephants in particular cut back yields by destroying not only a few trees but sometimes also complete hillsides. Young buffalos that grow horns, are suffering from itching, so they rub their horns on coffee trees. Elephants dig huge holes with their tusks to lick minerals out of the soils. Both farms already dedicate 30% of their area to a natural buffer zone for wildlife protection. It remains tricky though to balance the needs of farmers and wildlife in such proximity. Nevertheless, Neel is positive to find a solution that works for both.

Until then, we keep our fingers crossed that buffalos and elephants are not too keen on the fine cherries Edelweiss has been producing and will leave more of that juicy and complex coffee for us. Stay tuned for some unique rhubarb in your cup!

Nachhaltigkeit

Wir sind der erste World Coffee Research Partner in Deutschland!

List + Beisler: neue Partnerschaft mit World Coffee Research

Nachhaltigkeit ist untrennbar mit der DNA unseres Unternehmens verbunden. Daher fördert und unterstützt List + Beisler seit langem Nachhaltigkeitsprojekte in Kaffeeanbaugebieten.

Hierbei konzentrieren wir uns hauptsächlich auf kaffeebezogene Schulungen für Kleinfarmer. Zu unseren wichtigsten Schulungsthemen gehören u.a. bewährte Methoden zur nachhaltigen Bewirtschaftung von kleinen Kaffeefarmen, die Schritte vor, während und nach der Ernte sowie die Verarbeitung der frisch geernteten Kaffees. Ziel dieser Projekte ist es, sowohl die Produktivität der Farm als auch die Qualität der Kaffees zu steigern. Hierdurch wollen wir die „Software" – das Wissen - der Farmer verbessern und ihnen helfen, qualifiziertere Kompetenzen in relevanten landwirtschaftlichen Praktiken, wie beispielsweise modernenn Kompostierungsmethoden, zu erlangen.

Allerdings treffen wir immer wieder auf einen erheblichen und substantiellen Engpass: die vorhandene Infrastruktur der Kleinfarmen oder besser gesagt die „Hardware" - die Kaffeebäume -selbst. In der Regel handelt es sich um zufällig gemischte Kaffeebaum-Sorten (Varietäten), die eher zweckmäßig gepflanzt, aber nicht strategisch optimiert wurden. Somit kann der Kaffeefarmer leider nicht die (jedoch sehr benötigte) höhere Qualität, mehr Produktivität und Effizienz erreichen.

Wenn wir den Kaffeefarmern helfen wollen eine nachhaltige Existenzgrundlage zu erreichen und darüber hinaus auch noch weitergehende Verbesserungen anstreben, muss sich der gordische Knoten um den beschriebenen Engpass auflösen.

Daher haben wir angefangen nach möglichen Lösungsansätzen Ausschau zu halten um möglichst zeitnah den Engpass zu schließen. Nach einer umfassenden Recherche haben wir nun endlich eine Organisation gefunden, die mit wissenschaftlichen, fortschrittlichen und vor allem nicht genetisch manipulierten (!) Ansätzen genau dieses bereits schon heute erfolgreich umsetzt.

Wir freuen uns sehr, unsere Partnerschaft mit World Coffee Research (WCR) bekannt zu geben.

Wir hatten die großartige Gelegenheit, während der WOC im vergangenen Juni, Vern Long, die neue Geschäftsführerin von WCR kennenzulernen. Wir trafen uns auf unserer fröhlichen Messe-Party. Mit kühlen Getränken in unseren Händen konnten wir nach einem langen Messetag unsere Zusammenarbeit besprechen.

Worum handelt es sich bei WCR genau? 2012 wurde diese gemeinnützige Forschungsorganisation von der globalen Kaffeeindustrie gegründet. Dank moderner landwirtschaftlicher und wissenschaftlicher Errungenschaften ist es nun möglich unter anderem Erträge, Qualität und sogar die Klimaresilienz der Kaffeepflanze zu verbessern. Hiermit leisten die neuen Varietäten in ihrer Vielseitigkeit einen erheblichen Beitrag zum Wohlergehen der Kaffeefarmer und erweitern die Biodiversität der Farm.                           

WCR konzentriert sich genau auf diese Arbeit: sie nutzen fortschrittliche und angewandte Forschung in den Bereichen Kaffeegenetik (kein GVO!) und Landwirtschaft, um neue Kaffeesorten (Varietäten) zu produzieren aber auch neue, innovative Anbaumethoden zu erforschen.

Eine verbesserte und fokussierte Pflanzen-Vielfalt hat gleich mehrere Vorteile:

1) Mit mehr Biodiversität im Anbau versetzt sich eine Kaffeefarm eher in die Lage einen Schädlingsangriff oder extreme Veränderungen im Klima zu überstehen.

2) Mit dem Zugang zu diesen Varietäten kann ein Kaffeefarmer neue Bepflanzungen auf die geographischen und klimatischen Bedingungen seiner Farm ideal abstimmen. Hierdurch wird ein Kaffeebaum in eine Umgebung gepflanzt, die seinen Bedürfnissen entspricht. Ein glücklicher Baum ist ein gesunder Baum, und gesunde Bäume produzieren nun mal bekannterweise mehr und besseren Kaffee. :-)

Das WCR arbeitet mit einem hervorragenden Netzwerk führender Wissenschaftler und Kaffee-Institutionen auf der ganzen Welt zusammen. Gemeinsam entwickeln sie Lösungen, die schnell umsetzbar sind und innovativen und qualitätsbewussten Kaffeebauern zugänglich gemacht werden.

Nun möchten wir auch Sie zu dieser neuen Partnerschaft einladen – werden Sie Teil des Check-Off Programs!

Wie können Sie teilnehmen? Wie funktioniert es?

keyboard_arrow_rightAb sofort können Sie sich als Röster anmelden und zwischen 0,02 bis 0,20 EUR/kg Rohkaffee, der über List + Beisler bezogen wird, zu spenden.

keyboard_arrow_rightList + Beisler ergänzt diese Spende mit 0,02 EUR/kg gekauftem Rohkaffee.

keyboard_arrow_rightList + Beisler registriert alle Kaffeekäufe teilnehmender Röster mit den vereinbarten Spenden-Beiträgen. Die Spende wird auf dem Kontrakt separat ausgewiesen – analog zu bspw. den Frachtkosten.

keyboard_arrow_rightList + Beisler verwaltet die Spenden und überweist sie vierteljährlich an WCR.

keyboard_arrow_rightEinmal eingerichtet, unterstützen Sie automatisch bei jeder weiteren Bestellung.

Weitere Informationen finden Sie auf worldcoffeeresearch.org oder wenn Sie uns direkt kontaktieren!

NB: Da sowohl List + Beisler als auch WCR privatrechtliche Organisationen sind, sind wir nicht in der Lage Spendenquittungen auszustellen.

Kaffeewissen

List+Beisler's Beitrag zur 4. Ausgabe des "The Coffee Guide"

Blog von: Philip von der Goltz, 14.10.2021

Als Verantwortlicher für Nachhaltigkeit, Marketing und Digitalisierung bei List + Beisler waren dies besondere Wochen für mich. Vor mehr als 20 Jahren habe ich angefangen, in der schönen Welt des Kaffees zu arbeiten. Ich war erst ein paar Wochen im neuen Job, als die internationalen Kaffeepreise ihren historischen Tiefststand von 41,50 c/lb erreichten. Das war im Dezember 2001. Damals sah es für mich wie das Ende der Kaffeewelt aus. Glücklicherweise wurde ich eines Besseren belehrt!
Die extreme Preisvolatilität ist einer von vielen Faktoren, die sich direkt auf das Leben und die Geschäfte aller Beteiligten der Kaffee-Wertschöpfungskette auswirken. Das schwächste Glied in unserer Gemeinschaft sind jedoch die Kaffeebauern, insbesondere die Kleinbauern. Die Kaffeebauern sind abhängig von den internationalen Kaffeepreisen und den Launen von Mutter Natur, den Schwankungen der lokalen Währungen und den politischen Entwicklungen. Viele Faktoren kommen zusammen und liegen oft weit außerhalb ihres Einflusses.

Kaffee: ein komplexer Wissensbereich
Ein gründliches Verständnis der Kaffeewelt zu erlangen ist ein zeitaufwändiges Unterfangen, aber der Schlüssel zur Verbesserung des eigenen Wissens und der Entscheidungsfähigkeit. Auf meiner eigenen Reise hatte ich das Glück, von einigen der Besten der Branche zu lernen. Dennoch gibt es noch viel Raum für Entwicklung. Nach all diesen Jahren bin ich zumindest zu einer festen Überzeugung gelangt: Kaffee ist ein lebenslanger Lernprozess; je mehr man weiß, desto mehr erkennt man, dass es noch mehr zu lernen und zu verstehen gibt. Die Komplexität dieses globalen Geschäfts schafft eine sich ständig weiterentwickelnde und verändernde Realität in Bezug auf Produktion, Handel, Verbrauch und viele andere Komponenten des Kaffees. Das Wissen muss ständig angepasst und aktualisiert werden.

Wie soll man also anfangen und was soll man lernen? Es liegt in der Natur der Komplexität, dass sie sich nur schwer zusammenfassen und vereinfachen lässt. Kaffee wird überall auf der Welt angebaut und auf vielfältige Weise konsumiert. Nehmen wir an, man möchte nicht nur seinen eigenen Horizont erweitern, sondern sich in seinem Beruf wirklich entfalten. In diesem Fall ist es von entscheidender Bedeutung, Ideen, Gedanken, Fakten und wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse von so vielen Fachleuten wie möglich zu erhalten. Man sollte seine Quellen daher mit Bedacht wählen.

Bereits 1992 wurde der erste Coffee Guide von United Nations' International Trade Centre (UN/ITC) veröffentlicht. Er wurde zur führenden Informationsquelle für Fachleute in Bezug auf Kaffee. Es handelte sich um ein Handbuch für den Handel mit Kaffee, das hauptsächlich von Jan van Hilten und Morten Scholer verfasst wurde. Nach dem anfänglichen Erfolg machten sie weiter und entwickelten zusammen mit einem Team von Branchenexperten zwei weitere Guides (veröffentlicht 2002 und 2012). Diese - meiner Meinung nach - hervorragende Arbeit versorgte die Kaffeebranche mit detailliertem Wissen und stellte einen unschätzbaren Wert für die Kaffeewelt dar.
Seit der letzten Veröffentlichung sind fast 10 Jahre vergangen. Es war nicht nur an der Zeit, die Informationen zu aktualisieren, sondern auch, sich an neue Gegebenheiten anzupassen.

Quelle: ITC "Building on the legacy: From commodity handbook to comprehensive working tool."

Wie alles begann und wie sich das Team entwickelte
Vor achtzehn Monaten bat mich Hernan Manson, der Leiter der UN/ITC-Abteilung Alliances for Action, die Aufgabe zu übernehmen, den ITC Coffee Guide zu aktualisieren. So spannend diese Aufgabe auch ist, so herausfordernd ist sie auch. Am ersten Tag dieses Projekts hatten Hernan und ich gerade damit begonnen, uns einen Überblick über den Umfang dieses Vorhabens zu verschaffen, als uns langsam das Ausmaß der Arbeit bewusst wurde, die vor uns lag. Die Fülle der zu behandelnden Themen erinnerte mich an einen Spruch eines Lehrers aus meiner Schulzeit: "Man muss nicht alles wissen, man muss nur wissen, wo man es findet!". Und so begannen wir ein Brainstorming über die Personen, mit denen wir zusammenarbeiten wollten. Wir bildeten ein engagiertes Expertenteam: Sarah Charles als meine wichtigste Co-Autorin, Redakteurin und kreatives Kraftpaket. Sie ist eine bekannte Autorin, die bereits an mehreren Kaffee-Publikationen gearbeitet hat. Martina Bozzola, eine hervorragende Akademikerin, Professorin für Wirtschaft und Landwirtschaft an der Queen's University of Belfast und leitende wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Tommaso Ferretti, Experte für nachhaltige Handelsfinanzierung, promovierte an der McGill University und wurde während der Erstellung dieser neuen Ausgabe Vater. Er hatte sicherlich sehr kurze Nächte, aber nicht nur wegen des neugeborenen Babys. Eleni Gerakari, die all unsere Gedanken und Ideen in umsetzbare Arbeit umwandelt und etwas Ordnung in unser kreatives Durcheinander bringt. Sie ist eine große Bereicherung für uns alle! Und nicht zuletzt: Neil Rosser - der Datenmeister. Er verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung mit den Zahlen, die die Welt des Kaffees bewegen.
Neben unserem Kernteam haben wir eine hochprofessionelle und motivierte Gruppe von über 70 Branchenexperten engagiert. Die Bandbreite ist groß: von Kaffeebauern, Kooperativen, Exporteuren, Importeuren, Röstern, Coffeeshops, Beratern bis hin zu Hochschulen, internationalen Institutionen, NGOs und Verbänden aller Art. Wir sind stolz darauf, dass wir die gesamte Gemeinschaft der Kaffeestakeholder abdecken. Dieses Netzwerk von passionierten Kaffeeliebhabern ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren des neuen Leitfadens.

Was ist neu?
Hier ein kurzer Einblick in die wesentlichen Neuerungen:
- Nachhaltigkeit ist ein zentrales Thema, mit dem versucht wird, die Branche auf den Weg zum neuen Normalzustand zu führen
- Neueste Statistiken und Trends: Die Produktionszahlen sind in drei Gruppen unterteilt, die zwischen Standard-, Premium- und spezialisierten Kaffees unterscheiden.
- Der Schwerpunkt liegt auf der Benutzerfreundlichkeit. Acht unabhängige Module mit einer entsprechenden Toolbox, die praktische Ratschläge und Fallstudien enthält.
- Ein neues Kapitel über die neuesten Innovationen ist jetzt Teil des Leitfadens. Dabei geht es vor allem um die digitale Seite des Geschäfts.

Nach 18 Monaten intensiver Arbeit bin ich glücklich, diese neue Ausgabe endlich auf den Markt bringen zu können. Ich bin dankbar für alle, die uns bei der Verwirklichung dieses Mammutprojekts unterstützt haben! Mit diesem Guide haben wir den Grundstein für ein neues Kapitel gelegt und hoffen, zu einem besseren Verständnis der Kaffeewelt für Fachleute entlang der gesamten Wertschöpfungskette beigetragen zu haben. Die Herausforderungen der nächsten Jahre werden zunehmen und noch größer werden. Möge der neue Coffee Guide uns dabei helfen, angemessene und nachhaltige Lösungen zu finden.

Wo ist er zu finden?
Kein anderer Tag als der Internationale Tag des Kaffees (1. Oktober 2021) hätte besser geeignet sein können, um die vierte Ausgabe des Kaffeeführers offiziell vorzustellen. "The Coffee Guide, 4. Ausgabe" kann hier kostenlos heruntergeladen werden.

Wir freuen uns auf eure Kommentare und Eindrücke!

 

Nachhaltigkeit

Farming Accelerator Projekt - Äthiopien

Oktober 2021

Während derzeit die Klimakonferenz COP26 in Glasgow stattfindet und die enorme Bedeutung von Nachhaltigkeit als Grundlage all unseres Handelns verdeutlicht, freuen wir uns, euch von unseren Erfahrungen von unserer Reise nach Südäthiopien zu berichten, wo wir unser Farming Accelerator-Projekt besucht haben.

Dieses Projekt begann kurz vor den Covid-19-bedingten Lockdowns im März 2020 und läuft nun seit mehr als einem Jahr. Es. Trotz aller Einschränkungen im Zusammenhang mit der Pandemie konnten wir unter Einhaltung aller Vorsichtsmaßnahmen mit der dringend benötigten Arbeit in diesem Teil Äthiopiens beginnen.
Das Prinzip des Projekts ist einfach und smart: Wir haben uns mit UN-ITC, Enveritas und COQUA zusammengetan, um die größten Herausforderungen in Hinblick auf Nachhaltigkeit anzugehen, mit denen die Kleinbauern in Südäthiopien konfrontiert sind. Wir haben sechs Kaffeeregionen in Yirgacheffe und Sidama ausgewählt, die für ihre hervorragende Qualität bekannt sind. Mithilfe von künstlicher Intelligenz, Satellitentechnologie und persönlichen Gesprächen kann Enveritas uns genaue und transparente Daten über die Situation der Bauern liefern. Auf der Grundlage dieser Informationen haben wir gemeinsam mit UN-ITC und COQUA eine Reihe von Schulungen entwickelt. Diese Schulungen decken zwei Hauptbereiche ab:

Nachhaltige Produktivitätssteigerung - die unter anderem Folgendes umfasst:

-> Bewährte landwirtschaftliche Praktiken
-> Konstante Produktqualität

Landwirtschaft als Familienunternehmung - mit Schulung in den Bereichen:

-> Finanzielle Grundkenntnisse (Buchhaltung und Buchführung)
-> Einkommensdiversifizierung und Unternehmensentwicklung

Alle Schulungen sind integrativ und richten sich an die gesamte Familie, die auf oder in der Nähe der Kaffeefarm lebt und arbeitet. Es ist das angestrebte Ziel alle Familienmitglieder gleichermaßen einzubeziehen.
Die Entwicklung der Schulungsmodule konnten recht schnell entwickelt werden. Es bleibt allerdings eine Herausforderung, diese dann auch umzusetzen. Wir haben hiertu mehrere Farmer-Trainer rekrutiert, junge enthusiastische Agrarfachleute aus den lokalen Dörfern, die in den dortigen Gemeinschaften gut vernetzt sind.  Sie werden von einem leitenden Agronomen und erfahrenen Trainer weiter ausgebildet und bekommen die Fachkenntnisse zu unseren Trainingsmodulen geschult. Das Projekt umfasst 60 Demonstrationsflächen (sog. Demo-Plots), auf denen die Kaffeefarmer dann geschult werden. Die Farmer-Trainer können dann hier die Methoden erklären, im Anschluss können dann die Farmer und ihre Familien selbst experimentieren. Jeder Farmer-Trainer schult eine Gruppe von Kaffee-Bauern. Dank dieser Methode erreichen wir 1.800 Farmer aus der Region mit unseren Trainings.

Auf allen Demo-Plots haben wir bereits Kompostieranlagen eingerichtet. Zahlreiche Farmer wenden diese neu erlernten Techniken bereits auf ihrem Land an. Sie haben auch gelernt, wie man eine Kaffeepflanze beschneidet und sie haben verstanden, wie wichtig es ist, junge und starke Pflanzen zu haben, um die Produktivität zu steigern. Die meisten Kleinbauern führen keine Aufzeichnungen über Einnahmen und Ausgaben und sind daher nicht in der Lage, die Ergebnisse ihrer Arbeit genau zu beurteilen. Um den Betrieb besser führen zu können, ist es jedoch entscheidend, die grundlegenden Zahlen der Einnahmen und Ausgaben zu verstehen. Deshalb schulen wir auch das. In der Regel sind es Frauen und die jüngere Generation, die die Bedeutung und die Auswirkungen dieser Übung am besten verstehen und dann auch umsetzen.
Sobald das Projekt läuft, ist es für alle Beteiligten - vom Bauern bis zum Röster - wichtig, Zugang zu diesen Kaffees zu haben. Durch den kontinuierlichen Bezug dieser projektbezogenen Kaffees wird ein systemischer Wandel eingeleitet.
Das ist es, was wir als "Sustainability-as-a- Service" (SaaS) definieren - mit einer kleinen Abwandlung des ursprünglichen Akronyms ;-). Kurz gesagt: Exzellente Kaffeequalität, die vom Baum bis zur Tasse nachhaltig produziert und bezogen wird.

Besuchte Regionen:
Wir begannen unsere Reise mit einem Flug von Addis Abeba nach Awasa. Von dort aus fuhren wir nach Süden in Richtung Dila. Von Dila aus fuhren wir zu den Kaffeefeldern in der Umgebung der kleinen Dörfer (Kebeles genannt) Nurakorate, Kumato, Adame, Gotiti und Chelchele. Wir besuchten 15 Demonstrationsflächen und Bauernhöfe in der Umgebung dieser Demonstrationsflächen. Während unserer Besuche vor Ort sprachen wir mit über 100 Bauern und befragten sie und die Ausbilder, um ihre Bedürfnisse besser zu verstehen und die Effizienz unseres Ausbildungsangebots zu überprüfen.

Prädikat:
Ein tolles und inspirierendes Projekt, das beweist, dass Nachhaltigkeit im Kaffeesektor funktioniert.

 

Kaffee News 22-02-2022

Was passiert gerade in Zentral-Amerika?

Costa Rica

  • Am 6. Februar fanden in Costa Rica Präsidentschaftswahlen statt, es konnte jedoch keiner der Kandidaten mindestens 40 % der erforderlichen Stimmen gewinnen. Daher werden José María Figueres und Rodrigo Chaves Robles, die beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen, am 3. April in eine zweite (und letzte) Runde gehen.
  • In allen wichtigen Kaffeeanbaugebieten von Tarrazú, Central Valley, Western Valley, Tres Rios, Orosi, Turrialba, Brunca und Guanacaste sind die Kaffeefarmer mit dem Abschluss der Ernte beschäftigt und konzentrieren sich zunehmend auf das Entpulpen, Fermentieren, Waschen und Trocknen. Für diese Saison wird mit einer Kaffeeproduktion von etwa 1,45 Millionen Sack gerechnet.
  • Die Wetterbedingungen sind nach wie vor für alle landwirtschaftlichen Aktivitäten sehr günstig.
  • Alle Trockenmühlen sind voll ausgelastet und bereiten den Kaffee für den Export vor.
  • Im Direktvergleich fallen die Exportzahlen der ersten Monate der neuen Ernte deutlich höher aus als die der vorherigen Saison. Diese Zahlen müssen allerdings sorgfältig beobachtet werden, da die Exportstatistiken auch verspätete Lieferungen der letzten Ernte enthalten.
  • Die Haupthäfen Moin und Limon haben mit denselben Problemen zu kämpfen. Mangel an Containern, überbuchte Schiffe und steigende Frachtraten machen verspätete Verschiffungen zur neuen Normalität.

Guatemala

  • Am 16. Februar erschütterte ein Erdbeben der Stärke 6,2 Guatemalas ehemalige Hauptstadt Antigua. Zwei Menschen starben, Erdrutsche wurden ausgelöst und umgefallene Bäume versperrten die Straßen.
  • Die Region hat sich recht gut von den beiden Wirbelstürmen erholt und die Infrastruktur wurde weitgehend wiederhergestellt, sodass Arbeiter und landwirtschaftliche Betriebsmittel die Kaffeefarmen rechtzeitig erreichen können.
  • Die Ernte 21/22 sieht sehr gut aus. Die unter Experten kursierenden Produktionszahlen gehen von einer Gesamtmenge von 3,8 Millionen Sack Kaffee aus. Ein Engpass, der berücksichtigt werden muss, ist der Mangel an Erntehelfern - insbesondere in der Region Huehuetenango.
  • Einige Farmer berichten, dass die Kaffeekirschen von Broca befallen sind. Dieser etwa 2 mm große schwarze Käfer bohrt Löcher in die Kirschen und legt dort seine Eier ab. Seine Larven fressen sich in die Kaffeebohnen im Inneren der Kirsche hinein.
  • Die Exporteure versuchen, ihre Short-Positionen aufzufüllen und konkurrieren auf dem Binnenmarkt um den Kauf von Kaffee. Dies treibt die Kaffeepreise weiter in die Höhe, da offenbar nicht genügend Kaffee verfügbar ist, um alle Aufträge zu erfüllen.
  • Auch in den guatemaltekischen Häfen ist die Situation die gleiche wie in den meisten Häfen der Welt; auch hier ist mit verspäteten Lieferungen zu rechnen.

Honduras

  • Am 27. Januar wurde Xiomara Castro als erste Präsidentin von Honduras vereidigt. Ihre linksgerichtete "Libre"-Partei beendet die 12 Jahre andauernde Legislaturperiode der rechtsgerichteten Nationalen Partei. Bei der Zeremonie waren wichtige internationale Gäste anwesend, darunter US-Vizepräsidentin Kamala Harris. Unterdessen folgt Xiomara Castro ihrem Aufruf zur Korruptionsbekämpfung und ließ den Ex-Präsidenten Juan Orlando Hernández wegen Drogenhandels verhaften. Sein jüngerer Bruder Tony Hernández ist in den USA bereits zu lebenslanger Haft verurteilt worden - ebenfalls wegen Drogenhandels.
  • Vereinzelte, aber anhaltende Regenfälle haben in den letzten Wochen zu einem recht ungleichmäßigen Reifeprozess der Kaffeekirschen geführt. Die Pflücker müssen die Kirschen in mehreren Durchgängen einsammeln. Das dauert länger, erhöht den Aufwand und verursacht zusätzliche Kosten für die Farmer. Außerdem können die Kirschen beim Pflücken noch grün sein, was sich zweifelsohne auf die Qualität des Endprodukts auswirkt. Die Wettervorhersagen für die kommende Woche stellen glücklicherweise mehr Sonnenschein in Aussicht.
  • Trotz der Herausforderungen ist die Ernte in den tiefer gelegenen Regionen fast abgeschlossen. In den höher gelegenen Regionen hingegen wird sie noch bis zum nächsten Monat andauern.
  • Das Instituto Hondureño del Café (IHCAFE) und der internationale Handel schätzen die Ernte 21/22 auf 5,8 bis 6 Millionen Sack.
  • Die Kaffees, die in den Trockenmühlen ankommen, werden für den Export vorbereitet und zum Hafen verschifft. Hier hat sich die Situation in den letzten Wochen verschlechtert. Die Schiffe sind überbucht und es sind nicht genügend Container verfügbar.

Nicaragua

  • Ähnliche Situation wie in Honduras. In den tiefer gelegenen Regionen ist die Kaffeeernte fast abgeschlossen, in den höher gelegenen Gebieten wird noch geerntet. Die Ernte wird voraussichtlich bis Ende März andauern. Insgesamt wird die Produktion für diese Ernte auf rund 2,65 Millionen Sack geschätzt.
  • Wie man sich sicherlich vorstellen kann, ist der Hafen von Corinto keine Ausnahme von den aktuellen logistischen Störungen. Es gibt einen allgemeinen Mangel an geeigneten Containern und die Schiffe sind überbucht oder laufen den Hafen erst gar nicht an. Einige Exporteure beginnen, die Möglichkeit zu prüfen, ihren Kaffee aus dem benachbarten Costa Rica oder Honduras zu verschiffen. Dort ist die Situation jedoch nicht wirklich besser. Somit sind leider Verzögerungen bei der Verschiffung zu erwarten.
Kaffee News 28-02-2022

Was passiert gerade in Ostafrika?

Es ist nicht möglich, über die Nachrichten in den Kaffeeländern zu schreiben, ohne vorab über die militärische Invasion in der Ukraine zu sprechen. Wir haben dies in unserer Menschheitsgeschichte schon viel zu oft erlebt: Krieg ist keine Lösung. Wir sind in Gedanken bei allen Betroffenen, insbesondere unseren Freunden und Bekannten, in der Ukraine. Wir hoffen auf ein schnelles Ende dieses unnötigen Angriffes auf das Land und seine Einwohner. Stoppt den Krieg!

 Äthiopien

  • Die Regierung hat den Ausnahmezustand aufgehoben, da sich die Lage im Lande weiterhin stabilisiert hat. Gleichzeitig wird immer noch von Kämpfen in Afar berichtet.
  • Der Grand Ethiopian Rennasaince Dam (GERD) hat zum ersten Mal, seit Äthiopien vor fast elf Jahren mit dem Projekt begonnen hat, Strom produziert. Der Damm wurde am Blauen Nil gebaut. Die flussabwärts gelegenen Länder Sudan und Ägypten sehen darin eine Gefahr für ihre eigene Wasserversorgung. Der äthiopische Premierminister Abiy Ahmed hat dieses milliardenschwere Projekt nun offiziell und persönlich eingeweiht.
  • Die Washing Stations in den Kaffeeregionen stellen ihren Betrieb langsam ein, da die Saison für gewaschenen Kaffee jetzt weitestgehend vorbei ist. Das Parchment wird nach Addis Abeba gebracht, wo die Trockenmühlen auf Hochtouren laufen.
  • Kleinere "Jenfel"-Trockenmühlen in den Kaffeeregionen schälen die ersten eintreffenden Natural-Kaffees. Die Naturals werden dann nach Addis Abeba transportiert, wo sie weiter gereinigt, sortiert und dann in einigen Wochen für den Export aufbereitet werden.
  • Die Qualitäten der gewaschenen Kaffees sehen bisher sehr vielversprechend aus. Erste Eindrücke der Naturals wirken ebenfalls spannend.
  • Für diese Saison entspricht die Gesamtproduktion in etwa der der letzten Saison und wird voraussichtlich zwischen 6,5 und 6,8 Millionen Sack umfassen.
  • Die Aktivitäten im Hafen von Dschibuti gehen ohne wesentliche Neuigkeiten weiter.

 

Kenia

  • In diesem Jahr finden am 9. August die großen Wahlen statt. Die Wähler werden einen neuen Präsidenten und neue Mitglieder der Nationalversammlung, des Senats und der Bezirksgouverneure wählen. Präsident Uhuru Kenyatta wird nicht mehr kandidieren, da er die verfassungsmäßige Höchstdauer von zwei fünfjährigen Amtszeiten erreicht hat. Er unterstützt nun offiziell seinen ehemaligen Rivalen und Oppositionsführer Raila Odinga.
  • Kenia hat sein Interesse bekundet, in den kommenden Jahren Strom aus dem äthiopischen Megastaudamm GERD zu beziehen.
  • Die Regenfälle haben aufgehört und die Kaffeeregionen um Mt. Kenya genießen nun die heiße kenianische Sonne in Hülle und Fülle.
  • Die Ernte ist jetzt in allen Kaffeeregionen abgeschlossen. Die Washing Stations reinigen ihre Anlagen und die letzten Parchments trocknen in der Sonne.
  • Sehr gute Qualitäten werden zur Auktion angeliefert. Unser Qualitätsmanagement freut sich über die Verkostung einiger außergewöhnlicher Lots.
  • Die Trockenmühlen der Händler sind in zwei oder drei Schichten pro Tag voll ausgelastet.
  • Die kenianische Produktion ist im Laufe der Jahre immer weiter zurückgegangen. Viele Anbauflächen wurden in Immobilien umgewandelt und es gab fast keine neuen Kaffeepflanzungen, um die ehemaligen Anbauflächen zu ersetzen. Die diesjährige Produktion wird sich voraussichtlich zwischen 780.000 und 850.000 Sack bewegen.
  • An der kenianisch-ugandischen Grenze hat sich die Situation entspannt und es fahren wieder Lastwagen durch, wenn auch sehr langsam.
  • Die Aktivitäten im Hafen von Mombasa sind bisher ohne größere Verzögerungen verlaufen. Mit der zunehmenden Menge an zu exportierendem Kaffee wird es wahrscheinlich zu Verzögerungen im Betrieb kommen.

 

Tansania

  • Das Tanzanian Coffee Board (TCB) hat 970.000 Sack als offizielle Produktionszahl für die Ernte 20/21 gemeldet. Das sind 20 % weniger als in der vorangegangenen Saison, in der das Land 1,2 Millionen Sack produzierte.
  • Es ist fast kein Kaffee mehr verfügbar, und die Versteigerungen werden verschoben oder gar abgesagt, weil die Mengen nicht ausreichen.
  • Das Kaffeehochland im Süden Tansanias, das die Regionen Mbeya, Mbinga und Mbozi umfasst, meldet ergiebige Regenfälle und geeignete Wetterbedingungen für den Reifungsprozess der neuen Ernte.
  • Der Hafen von Dar Es Salaam ist wegen des Mangels an geeigneten Lebensmittelcontainern und überbuchten Schiffen überlastet, so dass Buchungen verzögert werden.

 

Ruanda

  • Das Wetter war in letzter Zeit sehr regnerisch. Dies führte zu Erdrutschen und blockierten Straßen. Der Zugang zu den Kaffeeregionen ist etwas schwierig geworden.
  • Die Waschstationen bereiten sich auf den Beginn der Saison vor, erste Kirschen werden angeliefert. Noch sind die Mengen allerdings gering.
  • Soeben hat die Nationale Kaffeebehörde (NAEB) den neuen Mindestpreis für die kommende Saison bekannt gegeben, der 65 % über dem Mindestpreis des letzten Jahres liegt. Lokale Händler berichten, dass die Preise für Kirschen bereits über dem festgelegten Mindestpreis liegen.
  • Noch ist es viel zu früh, um die Qualität der neuen Ernte zu beurteilen. Es wird jedoch zumindest erwartet, dass die Menge der letzten Saison entspricht und zwischen 260.000 und 380.000 Sack liegt.
Kaffee News 07-03-2022

Was passiert gerade in Asien & Ozeanien?

Der zwölfte Tag nach Putins aggressivem Einmarsch in die Ukraine ist angebrochen, und wir sind nach wie vor schockiert und fassungslos angesichts dieses Terrorakts, der eine humanitäre und wirtschaftliche Krise nach sich zieht. Weltweit herrscht nach wie vor große Nervosität, die sich in den volatilen Preisen im Aktien- und Rohstoffsektor widerspiegelt. Während Rohstoffe, die mit fossilen Brennstoffen in Verbindung stehen, und Getreide neue Rekordhöhen erreichen, sind die internationalen Kaffeepreise in den letzten Tagen gesunken. Die internationalen Sanktionen gegen Russland werden den russischen Importeuren den Zugang zu Kaffee (und anderen Waren und Rohstoffen gleichermaßen) erschweren. Laut dem ITC Coffee Guide werden jährlich etwa 4,9 Millionen Sack Kaffee in Russland konsumiert.
Wir hoffen weiterhin auf eine schnelle und friedliche Lösung dieses völlig unnötigen Konflikts. Nein zum Krieg!

 

Indonesien

  • Die neue Ernte in Sumatra wird voraussichtlich kleiner ausfallen als üblich. Die klimatischen Bedingungen waren alles andere als ideal, da die Regenfälle zur falschen Zeit kamen. Erste Erhebungen lassen einen Rückgang der Ernte um 10 bis 15 % erwarten - sowohl bei Arabica als auch bei Robusta. Die Robusta-Ernte wird voraussichtlich Anfang April beginnen und zwischen 10 und 10,5 Millionen Sack einbringen, während die Schätzungen für Arabica zwischen 1,7 und 1,9 Millionen Sack liegen.
  • Die Aktivitäten in den Häfen sind weiterhin langsam, sehr teuer und langwierig.

 

Indien

  • In Indiens zentralen Kaffeeanbaugebieten Karnataka, Kerala und Tamil Nadu ist die Arabica- und Robusta-Ernte in vollem Gange. Bis zu 80 % der Kirschen sind bisher geerntet worden. Indien produziert etwa 5,5 bis 6 Millionen Sack pro Jahr, davon 20 % Arabica und 80 % Robusta. Die Menge an gewaschenem Kaffee und Naturals kann von Jahr zu Jahr stark schwanken. Ob der Kaffee als Natural oder als gewaschener Kaffee produziert wird, hängt oft von der logistischen Infrastruktur (gibt es genügend Trocknungskapazitäten?) und den vorherrschenden Wetterbedingungen (trockenes oder feuchtes Wetter) ab - und natürlich von den Prämien, die vor Ort für die gewaschenen Kaffees gezahlt werden.
  • In den beiden für Rohkaffee-Exporte wichtigsten indischen Häfen ist die Situation recht zufriedenstellend. Gelegetlich hören wir von einem Mangel an geeigneten Lebensmittelcontainern, ansonsten laufen die Dinge aus logistischer Sicht recht gut. Die Frachtpreise bewegen sich weiterhin auf hohem Niveau. Es kann jedoch wieder zu Verzögerungen kommen, da wir uns mehr und mehr in die exportintensive Zeit hineinbewegen und die Nachfrage nach adequaten Containern und Schiffsraum entsprechend zunimmt.

 

Vietnam

  • Die vietnamesischen Kaffeefarmer haben nach den einwöchigen Tet-Feierlichkeiten zum Neujahrsfest die Arbeit auf ihren Feldern wieder aufgenommen. Die Fälle von Covid-Omicron schießen in Vietnam geradezu durch die Decke. Es sieht so aus, als hätten die Feierlichkeiten und das Beisammensein der letzten Wochen die Verbreitung in der Bevölkerung in die Höhe getrieben. Insgesamt wurden bis jetzt 4,43 Millionen Fälle gezählt und die täglichen Meldung schnallen mit 6-stelligen Zahlen in die Höhe. 
  • Der bedeutendste Robusta-Produzent der Welt hat vor einigen Wochen seine Ernte abgeschlossen. Die Produktionszahlen werden mit etwa 30 Millionen Sack prognostiziert.
  • Das Wetter war in den letzten Wochen durchweg trocken und sonnig. In einigen tiefer gelegenen Anbauregionen wurde dank künstlicher Bewässerung die Blütezeit ausgelöst. Die Farmer düngen ihre Kaffeeanbauflächen entsprechend dem Erntezyklus.
  • Die Trockenmühlen sind voll ausgelastet und bereiten den Kaffee für den Export vor.

 

Papua-Neuguinea

  • Der Premierminister von Papua-Neuguinea, James Marape, hat den chinesischen Premierminister Li Keqiang während seines offiziellen Staatsbesuchs in Peking (digital) getroffen. Sie unterzeichneten eine Reihe bilateraler Abkommen, die die Zusammenarbeit beider Staaten intensivieren und einige chinesische Investitionen in PNG fördern sollen.
  • Die Ernte 2022 hat bereits begonnen, in den tiefer gelegenen Regionen werden erste Kirschen gepflückt. Erste Schätzungen der diesjährigen Ernte sehen ermutigend aus und prognostizieren etwa 800.000 Sack.
  • In den letzten Wochen gab es zwar einige heftige Regenfälle, jetzt sind aber wieder sonnige und trockenere Tage auf dem Wetter-Radar zu sehen.
Kaffee News 14-03-2022

Was passiert gerade in Südamerika?

Inzwischen ist der 19. Tag seit Putins Angriff auf die Ukraine angebrochen. Die Zahl der Todesopfer, Verletzten und Flüchtlinge steigt mit jedem Tag und die Zerstörung nimmt immer stärker zu. Wann wird dieser völlig sinnlose Angriff endlich ein Ende haben? Die Weltwirtschaft wird noch lange unter den Folgen dieses Krieges leiden und es fällt schwer, sich die wahren Ausmaße der humanitären Katastrophe vorzustellen. Die explosionsartig ansteigenden Preise für fossile Brennstoffe, Getreide und andere Rohstoffe werden mit sehr hoher Wahtscheinlichkeit eine globale Wirtschafts- und Nahrungsmittelkrise herbeiführen. Stoppt den Krieg!

 

Brasilien

  • Die Präsidentschaftswahlen sind für Oktober 2022 angesetzt. Erste Umfragen deuten darauf hin, dass Ex-Präsident Luis Ignacio Lula da Silva immer mehr Vorsprung gegenüber Präsident Jair Bolsonaro gewinnt - doch natürlich liegt noch ein langer Weg vor ihm. Journalisten rechnen mit einem intensiven Wahlkampf zwischen beiden Kandidaten.
  • Der Einmarsch in der Ukraine und die Sanktionen gegen Russland haben die Kosten für Düngemittel in die Höhe getrieben. Brasilien importiert ca. 20% der benötigten Düngemittel aus Russland. Tereza Cristina, die brasilianische Landwirtschaftsministerin, hat sich öffentlich zu den steigenden Lebensmittelpreisen und der damit verbundenen Erhöhung der Produktionskosten geäußert.
  • In den letzten Wochen gab es sehr gute Regenfälle in den Kaffeeanbaugebieten von Minas Gerais. In den letzten Monaten wurde allerdings in allen Kaffeeanbaugebieten viel Regen verzeichnet, so dass die Feuchtigkeit in den Böden wiederhergestellt und die Wasserreservoirs ausreichend gefüllt werden konnten.
  • Noch sind die Kaffeekirschen grün und reifen langsam an den Bäumen. Der Beginn der Ernte wird im April erwartet.
  • Die Karnevalsferien haben ausgelassene Feste und kürzere Arbeitswochen mit sich gebracht - und den Druck auf die logistischen Engpässe in den Häfen erhöht. Es kommt immer noch häufig zu Verspätungen und die Frachtraten für einige Strecken sind extrem teuer geworden. Direkte Verschiffungen von brasilianischen Häfen nach Russland werden von den meisten Reedereien ausgesetzt.

 

Kolumbien

  • Der Präsidentschaftswahlkampf in Kolumbien ist in vollem Gange. Die Wahlen finden im Mai statt und die Kandidaten bereiten sich entsprechend jetzt schon vor. Der linke Kandidat Gustavo Petro hat gerade einen entscheidenden Vorwahlsieg errungen. Federico Gutierrez, Sergio Fajardo und Ingrid Betancourt sind - neben anderen - noch im Rennen und werden alles daran setzen, verlorenes Terrain gegenüber Petro zurückzugewinnen.
  • Nach Angaben des kolumbianischen Kaffeeverbands (FNC) ist die Jahresproduktion von März 2021 bis Februar 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 5 % auf 12,1 Mio. Sack (-200.000 Sack) gesunken. Eine weitere vertrauenswürdige Quelle für Kaffee-Statistiken ist das Landwirtschaftsministerium: es prognostiziert für das Kalenderjahr 2022 etwa 13,2 Millionen Sack.
  • Die steigenden Preise für manuelle Arbeit und Düngemittel erhöhen die Produktionskosten der kolumbianischen Kaffeebauern erheblich.
  • Der Klimawandel macht sich in den Kaffeeanbaugebieten erneut bemerkbar: allein im Februar fielen 40% der durchschnittlichen Niederschläge.
  • Im südlichen Teil Kolumbiens steht die Ernte kurz bevor. Vor allem in den Departements Cauca, Valle, Teilen von Huila, Tolima und Cundinamarca ist diese Ernte stärker ausgeprägt als die "cosecha principal" (Haupternte) zum Jahresende.
  • Die Aktivitäten in den Häfen von Buenaventura, Cartagena und Santa Marta verlaufen weiterhin schleppend.

 

Peru

  • Perus Präsident, der Linke Pedro Castillo, sieht sich mit einem neuen Amtsenthebungsverfahren konfrontiert, nachdem er in nur sieben Monaten sein viertes Kabinett ernannt hat. Seit seiner Wahl im Juli 2021 hat er mit mehreren Korruptionsskandalen und erheblicher politischer Instabilität zu kämpfen.
  • In den niedrigeren Anbaugebieten in Jaen und Junín wurden erste Kirschen der neuen 2022-Ernte geerntet. In den höher gelegenen Kaffeeregionen San Martín, Junín, Cajamarca, Amazonas, Cusco, Pasco, Huánuco und Puno tragen die Kaffeebäume viele Kirschen die noch ein wenig weiter reifen müssen, bis dann schlussendlich in ein paar Wochen, hier ebenfalls mit der Ernte begonnen werden kann.
  • Die Ernte 2022 wird voraussichtlich zwischen 3,9 und 4,2 Millionen Sack liegen.
  • Die Aktivitäten im Hafen sind sehr langsam und schwerfällig. Während die neue Ernte langsam aber sicher näher rückt, gibt es noch einen Rückstau an Verschiffungen der Ernte 2021. Zudem haben sich die Frachtraten sich auch hier deutlich erhöht.

 

 

Kaffee News 21-03-2022

Was passiert gerade in Zentralamerika?

Es gibt einen Begriff, der die heutige Zeit recht treffend beschreibt: VUCA. Diese Abkürzung stammt aus dem militärischen Sprachgebrauch und steht für Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit (Volatility, Uncertainty, Complexity, Ambiguity). Die anhaltende Aggression von Putins Truppen in der Ukraine geht einher mit einem sich beschleunigenden Klimawandel, Inflation und wirtschaftlicher Stagnation, sowie gefährdeten globalen Lieferketten und einer nicht enden wollenden Covid-Pandemie. Doch es gibt Licht am Ende des Tunnels: Zumindest einige Länder lockern ihre Anti-Covid-Maßnahmen, denn die Omicron-Variante erweist sich als ansteckend, glücklicherweise aber nicht so gefährlich wie die vorherigen Versionen. Ein Hauch von "Normalität", wie sie vor zwei Jahren herrschte, kehrt zurück. Das Leben zieht wieder in die Städte ein, die Menschen gehen aus und genießen Restaurants und Cafés. Das ist sicherlich eine gute Nachricht!
Andererseits geht der Widerstand in der Ukraine jetzt schon in den 25. Tag, und die Verwüstung des Landes ist erschreckend. Wann wird dieses sinnlose Blutvergießen aufhören? Wir sagen Nein zum Krieg!

Costa Rica

  • Noch zwei Wochen bis zur zweiten und letzten Runde der Präsidentschaftswahlen. Am 3. April wird das Volk von Costa Rica zur Wahl gehen und entweder José Maria Figueres oder Rodrigo Chaves Robles wählen.
  • Die Ernte ist fast abgeschlossen, nur in den höher gelegenen Regionen sind noch einige Kirschen zu ernten. Die Prognosen für die Kaffeeproduktion in dieser Saison liegen bei 1,45 Millionen Sack.
  • In den letzten Wochen waren die Wetterbedingungenextrem schwül und warm. Die Regenzeit wird in Kürze beginnen und die Blütezeit der Kaffeebäume einleiten.
  • Die wichtigsten Häfen Costa Ricas, Limon und Moin, sind mit einer ähnlichen Situation konfrontiert wie alle anderen großen mittelamerikanischen Häfen: steigende Preise für Frachtraten, fehlende Ausrüstung und Reedereien, die Transporte absagen oder verschieben.

 

Guatemala

  • Die Ernte in den tiefer gelegenen Regionen ist abgeschlossen. In den höher gelegenen Gebieten von Huehuetenango, San Marcos, Atitlán, Antigua, Acatenango, Coban, Fraijanes und Oriente wird noch gepflückt.
  • In den Häfen herrscht ein ähnliches Bild wie in den anderen mittelamerikanischen Häfen: Es fehlt an adäquatem Container-Equipment, die Schiffe sind überbucht und die Frachtraten steigen.

 

Honduras

  • Der bereits in Honduras inhaftierte Ex-Präsident Juan Orlando Hernandez wird nun per richterlichem Beschluß an die USA ausgeliefert. Dem Ex-Präsidenten wird unter anderem Drogenhandel vorgeworfen und er wird höchstwahrscheinlich zusammen mit seinem jüngeren Bruder Tony Hernandez lebenslang in einem US-Gefängnis einsitzen.
  • Auch in Honduras ist die Ernte fast abgeschlossen. Nur in den höher gelegenen Kaffeeregionen sind noch Kirschen an den Bäumen zu finden.
  • Es gibt Gerüchte, dass die Ernte geringer als erwartet ausfallen wird. Offenbar haben die Wirbelstürme Iota und Eta mehr Kaffeebäume zerstört als ursprünglich angenommen, und auch der Klimawandel und der Blattrost (Roya) fordern ihren Tribut von der diesjährigen Ernte. Ungewissheit herrscht jedoch über die Anzahl an Säcken, die von Bauern und Zwischenhändlern in den regionalen Lagerhäusern gelagert werden. Da keine neuen genauen Schätzungen für die Ernte 21/22 vorliegen, bewegen sich unsere Schätzungen weiterhin zwischen 5,4 und 5,8 Millionen Sack.
  • Der Beginn der Regenzeit wird die derzeitige warme und trockene Wetterlage der letzten Wochen beenden.
  • Das Parchment, das in den Lagern der Exporteure eintrifft, wird nun geschält, sortiert, in Säcke verpackt und für den Export vorbereitet.
  • Die Situation in den wichtigsten Häfen von Honduras ist ähnlich wie in den anderen mittelamerikanischen Häfen. Es ist mit steigenden Preisen und weiteren Verzögerungen zu rechnen.

 

Nicaragua

  • Nach einem höchst umstrittenen Sieg von Präsident Ortega, bei dem er fast alle seine politischen Gegner inhaftieren ließ oder ins Exil geschickte, hat dieser nun 25 gemeinnützige Organisationen in Nicaragua schließen lassen. Es sieht so aus, als hätte der Präsident Angst vor Kritik, da er systematisch alle abweichenden Meinungen aus der Öffentlichkeit verdrängt.
  • Die Situation ist sehr ähnlich wie in anderen mittelamerikanischen Ländern. Die Ernte ist fast abgeschlossen, nur noch wenige Kirschen werden in den höher gelegenen Regionen des Landes gepflückt. Die letzten Ernterunden werden voraussichtlich Anfang April abgeschlossen sein.
  • Im Hafen gibt es einen deutlichen Engpass. Es sind nicht genügend Container verfügbar, Buchungen werden verschoben oder storniert. Es ist mit Verzögerungen und steigenden Frachtraten zu rechnen.

 

 

Kaffee News 28-03-2022

Was passiert gerade in Ostafrika?

Die internationalen Kaffeepreise für Arabica in New York waren in der letzten Handelswoche weiterhin volatil. Mit einer Handelsspanne von 14 c/lb zwischen den Höchst- und Tiefstwerten liegen die Preise für Mai (KCK22) jetzt bei 215,05 c/lb. Die Robusta-Preise haben in der letzten Woche eine Preisspanne von etwa 75 USD/MT entwickelt und notieren heute bei 2.125 USD/MT (RMK22).
Am 16. März kündigte die US-Notenbank an, die Zinssätze um 0,25 % zu erhöhen. Dies ist die erste Anhebung seit 2018. Es wurde gemunkelt, dass die nächste Erhöhung 0,50 Punkte statt der vorgesehenen 0,25 % betragen soll, da die Inflation sonst nicht eingedämmt werden könne. Die Europäische Zentralbank wird mit hoher Wahrscheinlichkeit in Kürze nachziehen, da u.a. die Ausgaben für die Aufrüstung und die mit dem Covid-19 verbundenen Wirtschaftsmaßnahmen die Inflation weiter anfeuern.

Die Staats- und Regierungschefs des Nordatlantikrats der NATO sind am vergangenen Donnerstag in Brüssel zusammengekommen und haben Putins Krieg erneut scharf verurteilt und deutlich gemacht, dass ein Verstoß gegen ein NATO-Partnerland sofort eine militärische Reaktion gegen den Aggressor auslösen wird. Die Sanktionen gegen Russland werden verschärft, was die russische Wirtschaft in noch größere Schwierigkeiten bringen wird. Präsident Biden hat Polen besucht und in seiner sorgfältig ausgearbeiteten Rede Putin als Aggressor gegen die Demokratie in der Welt bezeichnet und seine militärische Unterstützung gegenüber allen NATO-Mitgliedsländern bekräftigt. Wir befinden uns nun am 33. Tag dieses schrecklichen Krieges und der brutalen Verwüstung der Ukraine und ihrer Bevölkerung. Während wir auf Frieden hoffen, ist leider davon auszugehen, dass diese Invasion noch längere Zeit andauern wird. Mehr als 3,5 Millionen Ukrainer wurden bereits gezwungen, ihre Heimat zu verlassen, Tausende sind gestorben und noch mehr sind verletzt. Und wofür das alles? #WirSagenNeinzumKrieg

 

Äthiopien

  • Die äthiopische Armee hat sich aus der Region Tigray im Norden des Landes zurückgezogen. Der Krieg zwischen den Rebellen der TPLF und der Regierung hat dazu geführt, dass die Wirtschaft des Landes dringend auf US-Dollar angewiesen ist, um die internationalen Schulden zurückzahlen zu können. Infolgedessen war Äthiopien in den ersten Monaten des Jahres 2022 (Inflationsrate von 35 %) und während des gesamten vergangenen Jahres mit einer erheblichen Inflation konfrontiert. Die Statistiken der Weltbank weisen allein für 2021 eine durchschnittliche Inflationsrate von über 25 % aus.
  • Äthiopien verzeichnet rekordverdächtige Exportzahlen für die 20/21 Ernte:über 5 Millionen Sack. Es ist schwierig, die Produktionszahlen richtig einzuschätzen, da der Binnenverbrauch schwer zu messen ist. Äthiopien ist eine Kaffeetrinkernation, und Statistiker gehen davon aus, dass bis zu 50 % des Kaffees im eigenen Land konsumiert werden. Unter dieser Annahme würde die äthiopische Kaffeeproduktion fast 10 Millionen Sack (!) erreichen. Dies erscheint jedoch äußerst unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass der Exportrekord auf eine Kombination aus höherer Produktion und geringerem Binnenverbrauch zurückzuführen ist. Für die Saison 21/22 wird eine Kaffeeproduktion von etwa 7,62 Millionen Sack erwartet.
  • In der Vergangenheit wurde Kaffee ausschließlich über die Ethiopian Commodity Exchange (ECX) gehandelt. Ausnahmen waren große Plantagen und Kooperativen, da sie direkt exportieren konnten, ohne den Umweg über die ECX zu nehmen. Die Akrabis (wie die Zwischenhändler und Nassmühlenbetreiber in Äthiopien genannt werden) lieferten den Kaffee an die Lagerhäuser der ECX, und die Händler (lokale Exporteure) konnten den Kaffee an der Börse dann kaufen. Diese Regel hat sich in dieser Saison geändert, und die Exporteure und Akrabis schließen sich zusammen und bauen vertikal integrierte Lieferketten auf. Dies hat zur Folge, dass nur noch wenig Kaffee über die ECX gehandelt wird. Aber ohne die Börse als hocheffizienten Preisfindungsmechanismus sind die von den Akrabis geforderten Preise für die Exporteure jetzt unangemessen, so dass momentan nur wenig Kaffee den Besitzer wechselt.
  • Die Erntesaison ist nun abgeschlossen, und die ganze Aufmerksamkeit gilt dem Schälen und der Verarbeitung von Parchment (Washed) und "Jenfels" (Natural). Die Lagerhäuser und Trockenmühlen rund um Addis sind voll mit Kaffee, und die Trockenmühlen sind voll ausgelastet. Dennoch werden kaum neue Geschäfte getätigt, da es bei den derzeitigen (teuren!) Preisen nicht viele Käufer gibt.
  • Die Aktivitäten am Hafen laufen mit nur geringen Verzögerungen recht gut.

 

Kenia

  • Am 9. August sind in Kenia die "Großen-Wahlen" angesetzt. Die Wähler werden unter anderem den Präsidenten und die Mitglieder der Nationalversammlung, des Senats und der Gouverneure wählen. Präsident Uhuru Kenyatta wird zurücktreten und nicht mehr für das Präsidentenamt kandidieren. Es sieht so aus, als würde sein langjähriger Gegner Raila Odinga die Wahlen vorerst gewinnen. Kenyatta und Odinga haben sich kürzlich wieder versöhnt. Hoffen wir auf einen fairen Wahlkampf und auf eine friedliche Wahl.
  • Die Wetterbedingungen sind ausgezeichnet, mit vereinzelten Regenfällen in den Kaffeeanbaugebieten. Die kommende Fly Crop sieht sehr vielversprechend aus. Mit dem Beginn der Ernte wird gegen Ende April, Anfang Mai gerechnet.
  • Die wichtigsten Nacherntetätigkeiten sind inzwischen vollständig abgeschlossen. Die Lagerhäuser sind mit dem Parchment der Haupternte gefüllt und schälen den Kaffee, um ihn für den Export vorzubereiten. Wir haben hervorragende Kaffees getestet; einige befinden sich bereits auf dem Weg nach Hamburg.
  • Die Aktivitäten im Hafen sind sehr langwierig so dass sich die Verschiffung derzeit verzögern.

 

Tansania

  • Tansanias berühmter Fluss Mara fließt durch das Masai Mara Wildreservat vom kenianischen Hochland durch Tansania in den Viktoriasee. Sein Wasser ist stark verschmutzt, schwarz gefärbt und birgt tote Fische. Die tansanischen Behörden untersuchen mögliche Quellen der Verschmutzung. Der Fluss ist berühmt für seine jährliche Gnu-Wanderung.
  • Aus Tansania gibt es nur wenige Kaffee-Nachrichten, da die Ernte abgeschlossen und verkauft ist und die Exporteure sich nun auf das Schälen, Sortieren und Verladen der Container konzentrieren.
  • An der Hafenlogistik in Dar es Salaam hat sich wenig geändert. Es ist nicht einfach, geeignete Container zu finden, die Reedereien sind überbucht und stornieren spontan Buchungen. Es ist mit Verzögerungen zu rechnen.

 

Ruanda

  • Gute Wetterbedingungen mit bewölkten Tagen, ausreichend Regenfällen und reichlich Sonnenschein.
  • Die Ernte hat in Ruanda früh begonnen. Vor allem in allen niedriger gelegenen Kaffeeregionen im Westen, Süden und Osten finden jetzt die ersten Pflückungen statt.
  • Die Inlandspreise sind weiterhin sehr hoch, und die Exporteure suchen nach zusätzlichen Finanzierungsmöglichkeiten.

 

Kaffee News 04-04-2022

Was passiert gerade in Asien & Ozeanien?

Allgemeine Wirtschaftslage:
Am 40. Tag des sinnlosen Angriffs von Putins Truppen in der Ukraine ging eine weitere turbulente Woche auf dem Kaffeemarkt zu Ende. Diese Aufwärtsbewegung in New York (Arabica) und die fallenden Kurse in London (Robusta) sind auf ein allgemeines Bild der Unsicherheit zurückzuführen, und die Volatilität wird in den kommenden Wochen wohl als Einflussfaktor weiterhin konstant bleiben. Die Verschiffungen aus Kolumbien sind immer noch verstreut, und in Zentrala Amerika wollen die Verladungen ebenfalls noch nicht so recht in Gang kommen. Verspätungen und weiterhin steigende Preise sind die Folge.

Wir werden diese Statistiken wöchentlich aktualisieren:

Die Auswirkungen des Krieges haben einen direkten Einfluss auf die Weltwirtschaft, da die Ukraine und Russland wichtige Exporteure von Getreide, Düngemitteln, Öl und Gas sind. Die Preise für diese Rohstoffe sind sprunghaft angestiegen, und einige getreideimportierende Länder wie Ägypten und Nigeria werden mit einer schweren Nahrungsmittelkrise konfrontier werden. In der Ukraine wird leider der Treibstoff für Traktoren, die die Felder pflügen und Saatgut ausbringen, für Panzer und andere militärische Logistik eingesetzt. 

Mehr als 4 Millionen Menschen mussten die Ukraine aufgrund der unaufhörlichen Aggression von Putins Truppen verlassen. Städte wie Mariupol und Charkiw werden vollständig zerstört, Zivilisten werden lebendig unter den Trümmern der beschossenen Gebäude begraben. Trotz dieser schrecklichen Aggression geben die Ukrainer nicht nach und vereiteln die militärischen Angriffe Putins bis zu einem gewissen Grad. Doch wann wird dieser unsinnige Krieg enden? #EndetDenKrieg

 

Indonesien

  • Das Land zählt über 270 Millionen Einwohner auf seinen zahlreichen Inseln und ist ein wichtiger Importeur von Getreide aus Russland und der Ukraine. Der Krieg bedroht daher ernsthaft die Ernährungssicherheit Indonesiens.
  • In den Kaffeeregionen im Norden Sumatras um Aceh hat endlich die Ernte der Fly Crop (Zwischenernte) begonnen.
  • Die Wetterbedingungen waren gut, es gab viel Sonnenschein und nur wenige Regentage. Dies ist bei der Weiterverarbeitung nach der Ernte und der Trocknung des Parchments von großem Vorteil.
  • Die Aktivitäten im Haupthafen von Sumatra, Belawan, sind nach wie vor schleppend, und die Frachtraten bewegen sich weiterhin auf hohem Niveau.

 

Indien

  • Die Erntesaison für Arabica- und Robusta-Kaffee in den zentralen Kaffeeanbaugebieten Karnataka, Kerala und Tamil Nadu neigt sich ihrem Ende entgegen. Etwa 90 % des Kaffees sind bereits gepflückt. Die Robusta-Ernte verzögert sich leicht. Dies ist jedoch ganz natürlich und entspricht dem Erntezyklus.
  • Nass- und Trockenmühlen sind voll ausgelastet und bereiten den Kaffee für den Export vor.
  • Indien produziert zwischen 5,5 und 6 Millionen Sack Kaffee, wovon etwa 20% auf Arabica und die restlichen 80% auf Robusta entfallen. Die Anzahl der gewaschenen (Parchment-)Kaffees im Vergleich zu den Naturals variiert von Saison zu Saison und hängt in hohem Maße von den regionalen Wetterbedingungen, den Produktionsmöglichkeiten auf den Plantagen und den für die entsprechende Qualität gezahlten Prämien ab.
  • Die Häfen von Cochin und Mangalore melden eine langsame und langwierige Logistik. Die Frachtpreise sind nach wie vor hoch, und der Mangel an geeigneten Containern trägt nicht dazu bei, die Ladung an die Bestimmungsorte zu bringen.

Vietnam

  • Vietnam ist das zweitgrößte Kaffeeproduktionsland der Welt und der unangefochtene Robusta-Erzeuger Nummer eins. Die Ernte ist komplett  abgeschlossen, und die Prognosen für die Ernte 21/22 schwanken zwischen 30 und 33 Millionen Sack. Verglichen mit der gewaltigen Robusta-Produktion des Landes, erscheinen die 500.000 bis 700.000 Sack Arabica fast wie ein Rundungsfehler.
  • Bis zur letzten Woche gab es heiße und trockene Tage. Die Landwirte begannen, ihre Felder zu bewässern, um die Blüte auszulösen. Glücklicherweise haben einige vereinzelte Regenfälle in den letzten Tagen dazu beigetragen, den Grundwasserverbrauch für die Bewässerung zu reduzieren.
  • Wie in den meisten Kaffeeanbaugebieten ist die Logistik am Hafen kompliziert, verzögert sich und ist teuer.

 

Papua-Neuguinea

  • Die ersten Pflückungen einer relativ frühen Ernte 2022 finden statt. Aus dem westlichen Hochland um Mt. Hagen treffen die ersten Parchmentlieferungen in den Trockenmühlen ein.
  • Die Produktionszahlen waren in den letzten Jahren ziemlich konstant. Die Prognosen für die Ernte 2022 liegen bei etwa 800.000 Sack.
  • Aus logistischer Sicht gibt es wenig zu berichten, da die Saison gerade erst begonnen hat. Bislang sehen die Frachtraten relativ hoch aus.
Kaffee News 11-04-2022

Was passiert gerade in Südamerika?

Allgemeine Wirtschaftslage:

Endlich! Von Freitag, den 8. bis Sonntag, den 10. April, fand die berühmte SCA Expo in Boston statt. Sie war mit mehr als 10.000 Besuchern gut besucht und alles sah fast "normal" aus. Man traf sich persönlich, es fanden Cuppings statt, und Kaffeefans aus aller Welt genossen die fantastische Atmosphäre dieser vielfältigen, offenen und internationalen Kaffeegemeinschaft. Glücklicherweise scheint "Covid" den Teilnehmern nicht in den Sinn gekommen zu sein.

Zur gleichen Zeit werden in Shanghai die Bürger der 25-Millionen-Metropole zu einer 10-tägigen Ausgangssperre gezwungen. Das drastische "Zero Covid"-Konzept der Regierung stellt Chinas Megastadt auf eine harte Probe. In den sozialen Medien beklagen sich die Bewohner über einen Mangel an Lebensmitteln und Hygieneartikeln. Mütter werden von ihren kranken Säuglingen und Kindern getrennt. Die Arbeiter sind gezwungen, in den Fabriken zu schlafen, um die Produktion aufrechtzuerhalten. Abgesehen von einigen Schlangen von Menschen, die gezwungen sind, sich regelmäßig untersuchen zu lassen, sind die Straßen völlig leer. Doch trotz aller Bemühungen, die Epidemie unter Kontrolle zu halten, steigt die Zahl der Erkrankten weiter an. Der Lockdown wird die logistische Störung sicherlich noch weiter vorantreiben, da sich Verzögerungen bei den Produktionsunternehmen in China - insbesondere in Shanghai - abzeichnen.

In der Zwischenzeit setzt sich der brutale Einmarsch von Putins Soldaten in der Ukraine fort und erreicht einen neuen Grad des Grauens in Butcha, wo nach dem Rückzug der russischen Truppen aus den nordwestlichen Gebieten von Kiew tote Zivilisten auf den Straßen gefunden wurden. Mehr als 1200 Zivilisten wurden bei diesem unfassbaren Verbrechen getötet. Und wozu das alles? Wann wird dieser sinnlose Krieg enden? #SayNoToWar

Die USA und die Europäische Union reagierten auf die offensichtlichen Kriegsverbrechen Russlands mit weiteren schwerwiegenden Wirtschaftssanktionen. Die Sanktionen gegen Russland und der Krieg in der Ukraine treiben die Kosten für Düngemittel und fossile Brennstoffe weiter in die Höhe. Dies wiederum wird die Produktionskosten für landwirtschaftliche Erzeugnisse erhöhen oder - was sich erst später herausstellen wird - die Produktion von landwirtschaftlichen Erzeugnissen verringern, was die Inflationsszenarien für Rohstoffe weiter vorantreibt. Hinzu kommt, dass die Inflation in den meisten Ländern stetig fortschreitet. Allein in den USA ist sie so hoch wie seit 30 Jahren nicht mehr. Die Inflationsrate in Europa folgt dem Beispiel der USA.

Die Auswirkungen auf den Kaffeemarkt sind in der nachstehenden Tabelle zu sehen.
Wir werden die folgenden Statistiken wöchentlich aktualisieren:

 

Brasilien

Einem neuen Bericht des brasilianischen Nationalen Instituts für Weltraumforschung (INPE) zufolge wurden in den ersten drei Monaten des Jahres 2022 mehr als 940 Quadratmeilen Regenwald gerodet. Das sind 64 % mehr als die bereits horrend hohen Zahlen des letzten Jahres. Seit Präsident Bolsonaro 2019 an die Macht kam, hat die Zerstörung des größten Regenwaldes der Welt stark zugenommen, da seine Politik den Umweltschutz kontinuierlich geschwächt hat. Gleichzeitig haben sintflutartige Regenfälle und Schlammlawinen in dem Bundesstaat Rio de Janeiro in den letzten Tagen mindestens 14 Menschen getötet. Die potenziellen Gewinne aus den zusätzlichen Weideflächen für Rinder müssen direkt in den Wiederaufbau der Infrastruktur und der Straßen in den von den Überschwemmungen betroffenen Gebieten investiert werden.

In den Kaffeeregionen haben sich die ergiebigen Regenfälle sehr positiv auf die Wiederherstellung der Kaffeebäume und der ausgetrockneten Böden ausgewirkt. Dies wird für den nächsten Erntezyklus sicherlich von großem Nutzen sein. Aber für die kommende Ernte - diejenige, die von den Frösten im Juli 2021 betroffen war - sehen die aktuellen Prognosen nicht gut aus. Die ersten offiziellen Zahlen der staatlichen brasilianischen Agentur für landwirtschaftliche Versorgung Conab prognostizieren für die Ernte 22/23 eine Menge von 55,7 Millionen Sack. Das sind 13 % weniger als in Brasiliens zweijährigem Erntezyklus 20/21. Bei genauerer Betrachtung der Zahlen ergibt sich ein Saldierungseffekt auf der Conilon-Seite: Die Robusta-Produktion (die richtigerweise Canephora heißen sollte) wird voraussichtlich um 2 Mio. Sack höher ausfallen, während die Arabica-Produktion voraussichtlich 10 Mio. Sack unter der Produktion von 20/21 (38,7 Mio. Sack) liegen wird. Eine Ernteprognose der Rabobank hingegen geht von 64,5 Millionen Sack aus, aufgeteilt in 41,4 Millionen Sack Arabica und 23,1 Millionen Sack Conilon. Dies sind nur zwei der vielen Berichte, die heute auf dem Markt erhältlich sind - die endgültige Wahrheit wird sich in den Exportzahlen der kommenden Kaffeesaison zeigen.

Die Kaffeebauern in den Conilon-Anbaugebieten bereiten sich auf den Beginn der Ernte vor. Die ersten Pflückungen finden bereits statt, und gegen Ende dieses Monats sollen weitere folgen.
Der Hafen von Santos meldet kontinuierlich erfolgreiche Bulk-Verschiffungen. Diese Art der Verschiffung hat eine gewisse Erleichterung für die ansonsten recht überlastete Logistik gebracht.

 

Kolumbien

Das Land bereitet sich auf die Präsidentschaftswahlen am 29. Mai vor. Gustavo Petro, ein ehemaliger linker Guerillakämpfer der M-19, hat sich im ersten Wahlgang gegen seine Konkurrenten von rechts und der Mitte durchgesetzt. Kolumbien folgt dem linken Weg einiger lateinamerikanischer Länder wie Peru, Honduras und Chile, die sich von den eher traditionellen Führern abgewandt haben. Ein Wandel ist gut, solange sich das Land nicht zu einem zweiten Venezuela entwickelt.

In einigen tiefer gelegenen Regionen hat die Ernte der Mitaca (fly crop) begonnen. Weitere Aktivitäten werden gegen Ende April erwartet. Die übermäßigen Regenfälle in Huila, Tolima und der Eje Cafetero (Caldas, Risaralda, Quindio und Teile des Valle del Cauca) verlangsamen den Erntefortschritt gleich in zweierlei Hinsicht: Die Farmen sind aufgrund der extrem schlammigen Straßen schwer zugänglich und das Parchment trocknet unter den aktuellen klimatischen Bedingungen nur langsam.

Die Häfen von Buenaventura, Cartagena und Santa Marta sind weiterhin relativ langsam, und die Schiffe sind überbucht. Es ist weiterhin mit Verspätungen zu rechnen.

 

Peru

Die Inflation in Peru treibt die Preise für Gas, Öl und Mautstraßen auf den höchsten Stand seit 26 Jahren. Es kam zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei, woraufhin Präsident Castillo eine Ausgangssperre in Lima und Callao verhängte, um die Lage zu beruhigen. Die Gewerkschaften haben jedoch landesweit zu Streiks aufgerufen.

Die ersten Pflückungen der neuen Ernte haben in den niedriger gelegenen Regionen begonnen. Die Kaffeekirschen in den höher gelegenen Teilen des Landes befinden sich noch in der Endphase der Reifung. Hier wird mit dem Beginn der Ernte gegen Ende April oder in den ersten Maitagen gerechnet.

Die Aktivitäten am Hafen sehen gut aus. Zumindest sind genügend Container verfügbar. Wer weiß, wie sich die nationalen Streiks auf die Logistik auswirken werden; sicher ist, dass sie die Verschiffung nicht beschleunigen werden...

Kaffee News 19-04-2022

Was passiert gerade in Zentralamerika?

Allgemeine Wirtschaftslage:

Dass sich zwei wichtige rohstoffexportierende Nationen im Krieg befinden, spiegelt sich auch auf dem globalen Rohstoffmarkt wider. An den Terminmärkten kam es zu starken Schwankungen, da das Geschäft immer schwieriger wird. Rund um den Globus versuchen Landwirte, Mühlen, Minenbetriebe und Bohranlagen gleichermaßen, so viel wie möglich zu produzieren, um die internationale Nachfrage zu befriedigen. Gleichzeitig verstärken Naturkatastrophen infolge des Klimawandels und logistische Engpässe im Zusammenhang mit Covid-Lockdowns die Probleme. Die Umgebung von Durban, einem der wichtigsten Häfen Südafrikas, wurde massiv von Überschwemmungen und Schlammlawinen getroffen. Mindestens 443 Menschen starben, Hunderte verloren ihre Häuser und müssen die beschädigte Infrastruktur wieder aufbauen. Die Stadt Schanghai hält ihre strenge Ausgangssperre aufrecht. Da dieser bedeutende internationale Hafen nur mit geringer Kapazität betrieben wird, sind weitere Störungen der globalen Lieferketten zu erwarten.

Auch in dieser Woche zeigt sich die Volatilität des Kaffeemarktes in Form einer Marktkorrektur in New York mit fallenden Kaffeepreisen, die ein neues Zweiwochentief erreichten. Nachdem Präsident Putin die Friedensgespräche für eine "Sackgasse" erklärt hat, haben Szenarien von anhaltendem Krieg und Zerstörung weitere Inflationsängste und ein schwindendes verfügbares Einkommen ausgelöst. Einige Analysten rechnen daher mit einem Rückgang der Kaffeenachfrage.
Andererseits werden die Preise für Düngemittel teurer und die Verfügbarkeit ist gering. Es wird erwartet, dass sich dies negativ auf die Kaffeeproduktion auswirken wird, da die folgenden Düngemaßnahmen etwas "dünn" und sehr teuer sein werden, wenn überhaupt möglich.

Die Auswirkungen auf den Kaffeemarkt sind in der nachstehenden Tabelle ersichtlich. Diese Statistiken werden wöchentlich aktualisiert:

 

Zentralamerika:

Auch im zentralamerikanische Kaffeeanbau haben die Feierlichkeiten zur "Semana Santa" begonnen. Dies wird die verbleibende Ernte in den höher gelegenen Regionen von Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras und Nicaragua sicherlich verlangsamen. In den meisten niedrig gelegenen Regionen sind die Erntearbeiten hingegen abgeschlossen. Die Kaffeeernte 21/22 nähert sich ihrem Ende. Die Produktionsprognosen belaufen sich auf die folgenden erwarteten Mengen:

 

Eine Untersuchung des International Trade Centre (ITC, einer UN-Tochtergesellschaft, die sich mit internationalem Handel und Entwicklung befasst) in The Coffee Guide, einer der weltweit am häufigsten heruntergeladenen Kaffeepublikationen, hat die weltweite Kaffeeproduktion in drei Kategorien unterteilt: Spezialisiert, Premium und Standard. Die zentralamerikanische Kaffeeproduktion teilt sich auf in 14% Specialized (2,0 Millionen Säcke), 39% Premium (5,5 Millionen Säcke) und 47% (6,7 Millionen Säcke) Standard-Kaffeequalitäten.

Zwischenhändler (Coyotes) und Exporteure stapeln Parchment in ihren Lagern, Trockenmühlen sind voll ausgelastet und bereiten Kaffee für den Export vor.
Die Situation in allen großen Häfen ist ziemlich ähnlich: ein allgemeiner Mangel an adäquatem Container-Equipment und Reedereien, die Buchungen verschieben oder spontan stornieren. Es ist mit Verzögerungen zu rechnen.

 

Kaffee News 25-04-2022

Was passiert gerade in Ostafrika?

Allgemeine Wirtschaftslage:

Am Freitag feierte die Welt den "Tag der Erde", und beim Blick auf unseren blauen Planeten und beim Betrachten der sozialen und klimatischen Herausforderungen, die vor uns liegen, fragt man sich, ob wir nicht einen täglichen "Tag der Erde" haben sollten, anstatt "nur" eine jährliche Erinnerung...

Angesichts der aktuellen globalen Entwicklungen sieht es so aus, als ob die Volatilität der Märkte für lange Zeit anhalten wird. Viele verschiedene Faktoren wirken sich auf die Preisentwicklung aus - einige davon sind eher makroökonomischer Natur, während andere eher in der Kaffeewelt zu verorten sind. Gleichzeitig werden die europäischen und zentralasiatischen Märkte höchstwahrscheinlich von einer wirtschaftlichen Rezession betroffen sein. Die Weltbank prognostiziert für 2022 eine Wachstumsverlangsamung um 0,9%.

In einer Sitzung des Internationalen Währungsfonds kündigte Jerome Powell, Vorsitzender der US-Notenbank, eine mögliche Zinserhöhung um 0,5 % an und signalisierte, dass im Laufe dieses Jahres weitere Zinserhöhungen folgen werden. Die großen Volkswirtschaften der Welt fürchten sich vor den Auswirkungen der Inflation, und die Erhöhung der Zinssätze ist eine gängige Methode zur Bekämpfung von Inflationsszenarien. Einigen angesehenen Wirtschaftswissenschaftlern zufolge wird die Europäische Zentralbank diesem Trend bald folgen.

Die Zero-Covid-Politik der chinesischen Regierung zwingt mehr als 40 Städte zu einem vollständigen oder teilweisen Lockdown. Zum Vergleich: Fast 400 Millionen Menschen haben nur eingeschränkten Zugang zu Lebensmitteln und dürfen sich nur teilweise (wenn überhaupt) außerhalb ihrer Wohnungen aufhalten. Arbeiter müssen in den Fabriken schlafen, um die Produktion aufrechtzuerhalten. Die logistischen Aktivitäten in Chinas wichtigstem Hafen von Shanghai sind fast zum Stillstand gekommen. Entsprechend bildet sich hier gerade ein ernsthafter Rückstau.

Die internationalen Kaffeepreise für Arabica stiegen am Donnerstag um 4% an. Die Handelsspanne von mehr als 12 c/lb innerhalb eines Tages zeigt weiterhin die extreme Volatilität des Marktes.
Angesichts all der momentanen Unsicherheiten, die von Putins Angriff auf die Ukraine bis hin zu gestörten globalen Versorgungsketten, Klimawandel und Covid-bedingten Lockdowns reichen, werden die Märkte höchstwahrscheinlich extrem nervös bleiben und häufig ihren Kurs ändern.

Die Auswirkungen auf den Kaffeemarkt sind in der nachstehenden Tabelle ersichtlich. Diese Statistiken werden wöchentlich aktualisiert:

 

Äthiopien

Der Angriff Russlands auf die Ukraine bringt das Leben der dort lebenden Menschen völlig aus dem Gleichgewicht und gefährdet das Leben weiterer Millionen von Menschen, die auf die Importe von in der Ukraine produzierten Getreidesorten angewiesen sind. Eine Region in der Welt, die in hohem Maße von Getreideimporten aus der Ukraine (und aber auch vom Aggressor Russland) abhängig ist, sind die Länder am Horn von Afrika: Ägypten, Sudan, Dschibuti, Somalia und teilweise Äthiopien.

Die Rebellen der TPLF in der nördlichen Region Tigray und die äthiopische Regierung haben sich darauf geeinigt, das Feuer einzustellen und Hilfslieferungen an die Zivilbevölkerung zu ermöglichen, die dringend Nahrungsmittel und Unterstützung benötigt.

Die Ethiopian Commodity Exchange ECX war bisher der wichtigste Kanal, über den die Kaffeeproduzenten an die Exporteure verkaufen konnten. Die ECX erfüllt auch eine regulierende Funktion, da sie als Clearingstelle für Käufer und Verkäufer dient. Der Kaffee wird an die ECX-Lagerhäuser geliefert. Ein Tag nach Abschluss des  Handelsgeschäfts wird dann die Zahlung auf das Bankkonto des Verkäufers überwiesen. Dieser Sicherheitsmechanismus ist nicht mehr gegeben, wenn der Kaffee über vertikal integrierte Lieferketten gehandelt wird. Hier haben die Exporteure entweder ihre eigenen Nassmühlen oder sie arbeiten mit lokalen Betreibern von Nassmühlen zusammen. Diese lokalen Zwischenhändler werden als Akrabis bezeichnet. Heutzutage sind immer mehr Akrabis selbst zu Exporteuren geworden. Die Zahl der Exporteure hat sich im Vergleich zur letzten Saison verdoppelt und beläuft sich auf fast 2.000 von ihnen.

Die Lagerhäuser und Trockenmühlen in Addis Abeba sind randvoll gefüllt mit Kaffee, die Produktion ist voll ausgelastet.
Die Aktivitäten im Hafen verlaufen ohne nennenswerte Komplikationen - mit einigen Verzögerungen aufgrund eines Mangels an Containerausrüstung und der Stornierung von Buchungen durch die Reedereien.

Kenia

Die kenianische Regierung hat ein Programm zur Verbesserung der Kaffeeproduktion und zur Steigerung der Exporte auf den Weg gebracht. Die Initiative soll die Produktivität der Kaffeefarmen steigern, Washing-Stations und Trockenmühlen modernisieren, die Führungsstrukturen in den Genossenschaften verbessern und die Gesetze für den Kaffeesektor modernisieren.

Mit der letzten Auktion in zwei Wochen neigt sich die Haupterntesaison ihrem Ende zu. Es wird eine kurze 30-tägige Pause geben, bevor die Versteigerung der Fly Crop beginnt.
Die Kaffeebauern bereiten sich auf die Ernte der Fly Crop vor. Sie wird auch als "frühe Ernte" bezeichnet und beginnt Anfang Mai. Das Wetter spielt mit, denn reichlich Sonnenschein lässt die Kirschen an den Bäumen reifen und die gewünschte rote Farbe entwickeln. In den nächsten Wochen soll es mehr regnen, was dann die dringend benötigte Feuchtigkeit im Boden mit sich bringen wird.

Die Aktivitäten im Hafen von Mombasa sehen gut aus. Es sind keine größeren Probleme zu verzeichnen.

Ruanda

Die guten Wetterbedingungen in den wichtigsten Kaffeeanbaugebieten Ruandas im Süden, Westen (in der Nähe des Kivu-Sees) und Norden beschleunigen die Reifung der Kirschen in den höher gelegenen Regionen. 
Der Ernteprozess ist in vollem Gange, und die Nassmühlen laufen auf Hochtouren, um das Parchment vorzubereiten. Reichlich Sonnenschein sorgt für ein gleichmäßiges Trocknen des gewaschenen Parchments.

Die Grenze zu Tansania ist offen und kann ohne nennenswerte Verzögerungen passiert werden. Im Haupthafen Tansanias, Dar Es Salaam, werden keine nennenswerten Probleme gemeldet.

 

Kaffee News 02-05-2022

Was passiert gerade in Asien & Ozeanien?

Allgemeine Wirtschaftslage:

Während Putins Angriff auf die Ukraine andauert, haben wir eine weitere turbulente Woche an den Märkten erlebt. UN-Chef Antonio Gutierrez traf bei seinem Besuch in Moskau mit Wladimir Putin und anderen hochrangigen Kremlpolitikern zusammen. Nur kurz nach seiner Weiterreise nach Kiew, wo er sich mit Präsident Selenskyj traf, schlugen russische Raketen in der ukrainischen Hauptstadt ein. Es sieht so aus, als wären weitere Verwüstungen, Blut und Tod unvermeidlich, bevor man sich auf eine friedliche Lösung für diesen völlig sinnlosen Krieg einigen kann.

Russland hat die Gaslieferungen an Polen und Bulgarien eingestellt, was die internationalen Gaspreise weiter in die Höhe trieb. Andere europäische Länder wie Italien, Österreich und Deutschland stehen unter Druck, da Russland nur Zahlungen in Rubel akzeptiert. Eine solche Transaktion durch ein europäisches Unternehmen würde gegen die verhängten Sanktionen verstoßen und rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.
Der USD ist im Vergleich zu anderen führenden internationalen Währungen stärker geworden, gleichzeitig steigen die Rohstoffpreise weiter stark an.
Die Preise für Destillate und Mais steigen weiter und nähern sich neuen Allzeithochs. Die Weltbank unterstreicht die heikle Lage des globalen Rohstoffmarktes, da der größte Rohstoffschock seit den 70er Jahren recht bald eintreten könnte.

Auch die internationale Logistiksituation setzt die Lieferketten weiter unter Druck. Chinas Null-Covid-Politik macht die Situation sicherlich nicht einfacher. Peking und andere chinesische Großstädte werden teilweise oder vollständig abgeriegelt, während Shanghai bereits die vierte Woche im vollständigen Lockdown hinter sich hat. Die Aktivitäten im Hafen von Shanghai sind auf ein Minimum reduziert. Container werden in andere Häfen umgeleitet, was dort dann zu erheblichen Staus führt. Die chinesischen Feierlichkeiten zum Tag der Arbeit werden fünf Tage andauern, was sicherlich zu weiteren Verzögerungen führt.

Die Preise für Arabica-Kaffee bewegen sich seit elf aufeinanderfolgenden Handelstagen in einem Korridor zwischen 230 c/lb und 215 c/lb. Innerhalb dieser Bandbreite ist die Volatilität hoch, und die Preise wechseln schnell die Richtung. In dieser Woche fielen die internationalen Kaffeepreise für Arabica um mehr als 2%.

Die wichtigsten Marktveränderungen können Sie in der unten stehenden Tabelle verfolgen.
Wir aktualisieren sie wöchentlich.

Indonesien

Als Reaktion auf die in die Höhe geschnellten Preise für Grundnahrungsmittel und Kochzutaten in Indonesien hat die Regierung des Landes die Ausfuhr von Palmöl verboten. Die Menschen begannen zu protestieren, weil sie lange Schlange stehen mussten, um Speiseöl und Lebensmittel zu kaufen. 30% des weltweiten Speiseölangebots stammen aus Indonesien. Dieses Exportverbot wird sicherlich die Inflation in den meisten Verbraucherländern anheizen, da Palmöl (und auch Sonnenblumenöl aus der Ukraine) ein wesentlicher Bestandteil vieler Lebensmittel und Kosmetikprodukte ist, die täglich von Millionen von Menschen verwendet werden.

Die indonesische Ernteprognose für die Ernte 21/22 liegt zwischen 11,5 und 11,9 Millionen Sack Kaffee. Der größte Teil des in Indonesien produzierten Kaffees ist Robusta. Mit schätzungsweise 10 bis 10,5 Millionen Sack liegt Indonesien an dritter Stelle hinter Vietnam (rund 30 Millionen Sack) und Brasilien (22 Millionen Sack). Die Arabica-Produktion wird auf 1,5 Millionen Sack geschätzt. Die Exporte werden auf etwa 7 Millionen Sack (Arabica und Robusta) geschätzt.

In Nordsumatra schließen die Kaffeebauern gerade die Ernte der Arabica Fly Crop ab. Und auch die Robusta-Ernte in Sumatra kommt gut voran. Das Parchment wird an die Lagerhäuser geliefert, wo es für den Export vorbereitet wird.

Die Aktivitäten im Hafen sind langsam, und die Frachtkosten steigen weiter an. Es sind wenig Container verfügbar, und die Schiffe ändern spontan ihre Fahrtenpläne, was die Buchungen erschwert.

Indien

Die Monate März und April waren die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen des nationalen Wetterdienstes vor 122 Jahren. In den Zentral-Indien wurden Höchstwerte von 47 °C gemessen. Diese extremen Temperaturen sind für den Frühling ungewöhnlich und nach Ansicht lokaler und internationaler Wissenschaftler eine Folge der globalen Erderwährumung. Dies ist ein Teufelskreis, da die Hitze die steigende Nachfrage nach Strom (der zur Kühlung verwendet wird) anheizt, was in vielen Staaten ohnehin schon zu Stromengpässen, und damit zu einem Anstieg des Verbrauchs fossiler Brennstoffe führt.

Die Ernte 21/22 ist eingebracht worden, und bisher sieht es hinsichtlich der Quantität und Qualität gut aus. Indien produziert etwa 5,5 bis 6 Millionen Sack pro Jahr, aufgeteilt in 20% Arabica und 80% Robusta. Die Menge an gewaschenem Kaffee und Naturals kann von Jahr zu Jahr stark schwanken. Ob der Kaffee als Natural oder als gewaschener Kaffee produziert wird, hängt oft von der logistischen Infrastruktur (gibt es genügend Trocknungskapazitäten?) und den vorherrschenden Wetterbedingungen (trockenes oder feuchtes Wetter) ab - und natürlich von den Prämien, die vor Ort für die gewaschenen Kaffees gezahlt werden.

Die Trockenmühlen laufen auf Hochtouren, und die Exporteure bereiten den Kaffee für die Verschiffung in die Verbraucherländer vor.

Die Aktivitäten in den führenden indischen Kaffeeexporthäfen Mangalore und Cochin bleiben eine Herausforderung. Die Frachtraten sind nach wie vor hoch, und ein allgemeiner Mangel an geeigneten Lebensmittelcontainern ist zur "neuen Normalität" geworden. Leider lassen sich Verzögerungen wohl nicht vermeiden.

Vietnam 

Die Ernte im weltweit führenden Anbauland für Robusta-Kaffee ist abgeschlossen, und die Bauern verkaufen ihren Kaffee an lokale Händler und Exporteure, wobei sie die internationalen Preise genau beobachten. Das erwartete Produktionsvolumen für die Ernte 21/22 liegt bei knapp über 30 Millionen Sack.

Das heiße und warme Wetter betrifft die zentralen Kaffeeanbaugebiete Vietnams in Dak Lak, Gia Lai, Lam Dong und Dak Nong. Einige Regenfälle werden erwartet und sind mehr als willkommen, da die Böden nach Wasser lechzen, um ihre Feuchtigkeit wiederherzustellen.

Einige Exporteure haben mit Bulk-Transporten experimentiert, die sich als praktikable Alternative bei Container-Engpässen erweisen. Die vietnamesischen Hafenbehörden wenden sich proaktiv an China, um rechtzeitig Informationen über die Frachtabfertigung zu übermitteln zu bekommen und so weitere Engpässe zu vermeiden.

Papua-Neuguinea

Die Politiker bereiten sich auf die Parlamentswahlen vor, die vom 11. Juni bis zum 24. Juni 2022 stattfinden werden. Die Wählerinnen und Wähler werden 111 Mitglieder des nationalen Parlaments wählen.

In den tiefer gelegenen Gebieten hat die Ernte bereits begonnen, und auch in den höher gelegenen Regionen um den Berg Hagen beginnt die Ernte. Die Witterungsbedingungen im östlichen Hochland haben den Reifungsprozess verlangsamt, so dass die Ernte noch nicht ihre volle Dynamik erreicht hat.

Die Aktivitäten am Hafen sind langsam und verzögern sich, da Buchungen ohne Vorankündigung verschoben werden.

Kaffee News 09-05-2022

Was passiert gerade in Südamerika?

Allgemeine Wirtschaftslage:

Am 8. Mai wird an das Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 erinnert. So fanden am Sonntag in allen europäischen Großstädten Gedenkveranstaltungen statt, um den Frieden zu preisen, an die Grausamkeiten des Krieges zu erinnern und den in dieser dunklen Zeit gefallenen Soldaten die Ehre zu erweisen. Siebenundsiebzig Jahre nach dem Ende des Nazi-Regimes in Deutschland durch die alliierten Streitkräfte ist der Krieg nach Mitteleuropa zurückgekehrt. Putin setzt seine Invasion in der Ukraine fort. Waren die Millionen von Toten des Zweiten Weltkriegs nicht genug Lektion?

China setzt seine strenge Lockdown-Politik in Shanghai und Peking fort. Die Inlands- und Ausfuhrlogistik leidet bereits jetzt schon an erheblichen Verzögerungen und an einem Mangel an Containern und Frachtraum.

Jerome Powell, der Vorsitzende der US-Notenbank, hat die Zinssätze um 0,5% erhöht. Dies war die höchste Anhebung seit dem Jahr 2000 und kommt zu einer Zeit, in der die USA mit der größten Inflation seit mehr als 40 Jahren zu kämpfen haben. Der "Inflationsgeist" ist aus der Flasche gelassen worden und trifft die meisten Volkswirtschaften der Welt schwer. Auch die Bank of England hat die Zinssätze erhöht - zum vierten Mal in Folge. Die Diskussionen in der Europäischen Zentralbank sind im Gange, und sieht ganz danach aus, als ob auch in der Eurozone die Zinssätze in Kürze angehoben werden. Andere Länder mit starken Währungen werden ebenfalls folgen (müssen). Werden diese Maßnahmen den "Inflationsgeist" zurück in die Flasche bringen? Steigende Zinsen in bereits hochverschuldeten Ländern könnten eine globale Rezession nach sich ziehen. Die Investmentbank JP Morgan schätzt dieses Szenario mit einer Wahrscheinlichkeit von 33% ein.

Auch der Kaffeemarkt spiegelt diese Volatilität wider. In der letzten Woche fielen die Preise in New York (Arabica: -5%) und London (Robusta: -1%). Vor allem am Freitag kam es zu einem starken Preisverfall, der ein neues 6-Wochen-Tief markierte.

Die wichtigsten Marktveränderungen können Sie in der unten stehenden Tabelle verfolgen.

Wir aktualisieren sie wöchentlich.

 

Brasilien

  • Die brasilianische Wirtschaft verliert an Kraft, man befürchtet eine Rezession und steigende Arbeitslosenzahlen. Die russische Invasion in der Ukraine hat die Preise für Öl, Gas und andere Rohstoffe auf ein Rekordhoch getrieben. Inflation ist eine Folge dieser Entwicklung.
  • Viele Kaffeeexperten bereisen in diesen Tagen die wichtigsten Kaffeeregionen Brasiliens. Ihr Hauptziel ist es, sich einen endgültigen Eindruck von der Ernte 2022 zu verschaffen. Die meisten Berichte pendeln sich bei ungefähr 62 Millionen Sack ein: 21,5 Millionen Sack Conilon (auch bekannt als Robusta; korrekterweise jedoch Canephora genannt) und 40,5 Millionen Sack Arabica-Produktion (32,5 Mio. Sack Naturals und 8 Mio. Sack Washed). Mit fast doppelt so viel Produktionsvolumen wie die Nummer zwei der Welt, Vietnam, und dem Fünffachen der kolumbianischen Kaffeeproduktion ist Brasilien der mit Abstand bedeutendste globale Kaffeeproduzent. Trotz der qualitativen Unterschiede zwischen den Ländern gibt es für Brasilien eine sehr passende Bezeichnung: tudo grande!
  • Im April hat es viel geregnet, und jetzt gibt es reichlich Sonnenschein und warmes Wetter, was die Reifung der Kaffeekirschen für die Ernte 2022 unterstützt.
  • Mit dem Monat Mai beginnt normalerweise die erste Ernte in Brasilien. Die ersten Kirschen wurden in den Conilon-Regionen Rondônia und Espírito Santo bereits geerntet. Der bei weitem größte Teil der Ernte befindet sich allerdings noch auf den Bäumen, und reift planmäßig heran. Die Arabica-Ernte wächst und reift. Erste Handpflückungen wurden aus der Region Zona da Mata und aus dem Süden von Minas Gerais gemeldet. Der Großteil des Volumens wird für Juni und Juli erwartet, wenn die Ernte dann in vollem Gange ist.
  • Aus dem Hafen von Santos wurden einige Break-Bulk Verladungen gemeldet. Diese recht alte Verladungstechnik ermöglicht die lose Lagerung von Säcken im Laderaum des Schiffes. Trotz aller Qualitätsrisiken, die diese Art des Transports mit sich bringt, steigt die beförderte Menge beträchtlich und sorgt für eine Entlastung der verstopften Häfen. Dennoch ist die globale Logistik weiterhin eine Herausforderung, da die Häfen in China nur teilweise in Betrieb sind und andere Bestimmungsorte in Nordeuropa und an der US-Westküste stark überlaufen sind. Als Folge der beeinträchtigten Logistikströme herrscht ein allgemeiner Mangel an Lebensmittelcontainern. Verspätungen und steigende Frachtraten sind leider unvermeidbar.

 

 

 

Kolumbien 

  • Die Inflation macht auch der kolumbianischen Wirtschaft schwer zu schaffen. Im April lag die Inflationsrate bei über 9%, dem höchsten Stand der letzten 22 Jahre.
  • Darüber hinaus bereitet sich das Land auf die Präsidentschaftswahlen am 29. Mai vor. Gustavo Petro (Linksausrichtung und ehemaliger Guerillakämpfer der M-19-Rebellen), Federico Gutierrez (Mitte-Rechts-Politiker) und Sergio Fajardo (Mitte-Links-Flügel) liegen in den Umfragen vorn.
  • Die letzten Monate wurden durch Regen und noch mehr Regen in Kolumbiens wichtigsten Kaffeeregionen geprägt. Die Ernte der Mitaca-Ernte kommt langsamer voran als erwartet, da die Trocknung des Parchments zu einer ernsthaften Herausforderung wird. Die Auswirkungen auf die Qualität sind noch nicht abzusehen. Dies ist das zweite Jahr in Folge, in dem die kolumbianische Kaffeeproduktion durch den La-Niña-Effekt erheblich beeinträchtigt wird.
  • In den Häfen von Buenaventura, Cartagena und Santa Marta herrscht ein ähnliche Lage wie in den meisten anderen Häfen der Welt: es mangelt generell an adäquatem Container-Equipment, und die Reedereien stornieren Buchungen ohne vorherige Ankündigung. Leider wird es zu Verspätungen und steigenden Frachtraten kommen.

 

Peru

  • Präsident Pedro Castillo, ein ehemaliger Gewerkschaftsführer und Schullehrer, sieht sich erneut mit schwierigen und instabilen Zeiten konfrontiert. Er wird als neustes jetzt von seinen eigenen Parteifreunden angegriffen. Sie haben einen Gesetzentwurf zur Verkürzung seiner Amtszeit von fünf auf zwei Jahre vorgelegt. Dieser Schritt ist beispiellos und würde Neuwahlen im Jahr 2023 erforderlich machen. Wie sagt man so schön in der Politik: Feind, Todfeind, Parteifreund...
  • Die Ernte schreitet in allen tiefer gelegenen Regionen gut voran. Auch in den höher gelegenen Gebieten beginnen die ersten Pflückungen, und gegen Juni wird die Ernte dann überall in vollem Gange sein.
  • Der Inlandstransport von Kaffee ist recht teuer geworden, da die internationalen Ölpreise auch die peruanische Wirtschaft beeinflussen.
  • Die Lagerhäuser füllen sich allmählich mit den ersten Parchment-Lieferungen, und die Dry-Mills haben ihre Arbeit aufgenommen.
  • Die Exportlogistik verläuft relativ reibungslos, da das Volumen noch vergleichsweise gering ist. Es sieht so aus, als ob (vorerst) genügend Container zur Verfügung stehen.
Kaffee News 16-05-2022

Was passiert gerade in Zentralamerika?

Allgemeine Wirtschaftslage:

Putins Einmarsch in der Ukraine zeigt, wie schnell die Sicherheit einer souveränen Nation durch einen brutalen Angriff eines Nachbarlandes gefährdet werden kann. Die russische Aggression hat Finnland dazu veranlasst, einen Antrag auf NATO-Mitgliedschaft zu stellen, und es sieht so aus, als würde Schweden bald folgen. Es bleibt abzuwarten, wie Putin auf die Entscheidung dieser traditionell neutralen Länder reagieren wird. Er rechtfertigte bereits in der Vergangenheit Russlands "militärische Intervention" in der Ukraine mit einer zunehmenden Bedrohung durch die NATO-Erweiterung. Eines ist leider sicher: von einer friedlichen und schnellen Lösung dieses Krieges in Europa sind wir noch sehr weit entfernt.

In Schanghai ist der 50. Tag des totalen Lockdowns angebrochen. Andere 27 Städte in China sind ebenfalls ganz oder teilweise abgeriegelt, und die Covid19-Ereignisse sind nicht unter Kontrolle zu bringen. Die Null-Covid-Strategie hat zweifelsohne Auswirkungen auf die Wirtschaft des Landes. In den großen Häfen kommt es zu erheblichen Verzögerungen, da die Schiffe ihre Ladung nicht löschen können. Die extrem fragmentierten globalen Lieferketten sind sehr verflochten und von einander abhängig. Wenn ein so wichtiges Land wie China nur stark eingeschränkt Ware produzieren und ausliefern kann, dann kommt es zu Spillover-Effekten in anderen Ländern. Weitere logistische Unterbrechungen werden wahrscheinlich folgen.

Die NYC-Achterbahn geht weiter: eine Kaltwetterfront, die möglichen Frost nach Brasilien bringt, hat das Kurzzeitgedächtnis von Anlegern, Spekulanten und Kaffeeleuten gleichermaßen beflügelt. Erinnerungen an den Juli 2021 wurden wieder wach, als drei Fröste in Folge die brasilianischen Kaffeeanbaugebiete heimsuchten. Das ließ den Markt am Mittwoch um 16 c/lb in die Höhe schnellen! Was für eine Markt-Bewegung - und das nur nach einem Tag, nachdem gerade ein neues 6-Monats-Tief bei 205,20 c/lb erreicht worden war. Wir haben es zweifellos mit einer sehr nervösen und volatilen Zeit zu tun, und alle Aufmerksamkeit gilt den Wettervorhersagen. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass meteorologische Vorhersagen eine kurze Reichweite haben und deren Präzision bei Prognosen reicht "nur" bis zu 48 Stunden. Alles darüber hinaus wird dann meistens eher ungenau sein.

Die wichtigsten Marktveränderungen können Sie in der unten stehenden Tabelle verfolgen.

Wir aktualisieren sie wöchentlich.

 

Zentralamerika

Die Inflation wirkt sich auch auf die Volkswirtschaften der mittelamerikanischen Länder aus. Die Kosten für Lebensmittel, Gas und Öl sind in den letzten Monaten gestiegen, und der Krieg in der Ukraine hat die Preise für Düngemittel auf neue Höchststände getrieben. Eine Haupteinnahmequelle für diese Regionen sind die "Remesas", Überweisungen, die von Familienmitgliedern, die hauptsächlich in den USA und Kanada arbeiten, in ihre Heimatländer geschickt werden. Nach Angaben der Weltbank belaufen sich diese im Jahr 2021 auf 131.000 Millionen USD. Das ist ein Anstieg um 25% im Vergleich zu 2020. Die Rücküberweisungen machen allein in Guatemala fast 15% des BIP aus. Die anderen zentralamerikanischen Länder melden ähnliche Zahlen.
Aber gibt es überhaupt eine Kehrseite der Medaille, wenn Menschen Geld nach Hause schicken? Das Hauptproblem liegt in der kontinuierlichen Migration von Arbeitskräften aus den mittelamerikanischen Ländern in Richtung USA. Diese Menschen erbringen ihre Dienstleistungen in Nordamerika und nicht in ihren Heimatländern. Vor allem in den ländlichen Gebieten herrscht bereits ein Mangel an Arbeitskräften. Und da sowohl die Arbeitsbedingungen als auch die Entlohnung in den USA wesentlich besser sind, sieht es nicht so aus, als würde sich dieser Trend bald umkehren. Die Suche nach Erntehelfern und Arbeitskräften in der Landwirtschaft ist schwierig und wird in den kommenden Saisons sicher nicht einfacher werden.

Ohne die endgültigen genauen Erntezahlen in der Hand zu haben, ist es immer schwierig, die Produktion für diese Saison zu beurteilen, aber es sieht so aus, als wäre diese Ernte doch erheblich kleiner als erwartet. Einige Berichte sprechen von einem Rückgang um 10% (!). Die Kaffeepreise in Mittelamerika sind sehr hoch, und zertifizierte Kaffees (Fairtrade, Bio, Rainforest Alliance) sind wirklich rar.

 

Die letzten Wochen brachten gute Regenfälle in Mittelamerika, und die Kaffeefarmen blühen regelrecht auf. Die Kaffeebäume werden mit weißen Blüten bedeckt, und ein warmer, verführerischer Duft nach Jasmin umgibt die Kaffeeregionen. Es ist immer wieder schön, dies zu erleben!

Die Exporteure sind damit beschäftigt, ihre Verkäufe an Röster und Händler einzudecken und in den Trockenmühlen Kaffee für den Export aufzubereiten.

Die Logistik an allen großen Häfen in Costa Rica, Honduras, Guatemala und Nicaragua ist kompliziert. Es mangelt generell an geeigneten Lebensmittelcontainern, und die Reedereien verschieben die Verschiffungen oder stornieren sie ohne Vorankündigung. Verzögerungen von mehr als 30 Tagen sind momentan leider unvermeidlich. Zu den Verspätungen kommen noch stetige (und saftige!) Preiserhöhungen der Reedereien. Allein Maersk hat ein rasanten Umsatzanstieg von 55% im ersten Quartal 2022 verzeichnet, was einen Rekordgewinn in der Firmengeschichte ermöglicht hat. Auch andere Reedereien haben bereits massive Gewinne gemeldet.

 

 

Kaffee News 23-05-2022

Was passiert gerade in Ost-Afrika?

Allgemeine Wirtschaftslage:

Finnland und Schweden haben offiziell einen Antrag auf NATO-Mitgliedschaft gestellt. Während die USA und andere Länder den Antrag begrüßt haben und die Initiative unterstützen, versucht die Türkei, den Prozess zu verlangsamen.

Die Lage der Weltwirtschaft sieht zur Zeit recht beunruhigend aus. Trotz der durch die US-Notenbank, der Bank of England und der von anderen Finanzinstituten durchgeführten Zinsanpassungen, steigt die Inflation weltweit weiter an. Renommierte Wirtschaftswissenschaftler, Unternehmer und Investoren auf der ganzen Welt beginnen vor einer möglichen Stagflation zu warnen. In einem solchen Szenario geht eine hohe Inflation mit einer stagnierenden Wirtschaft und steigender Arbeitslosigkeit einher. Der erhebliche Rückgang der Aktienbewertungen in den letzten Wochen spiegelt diese Aussicht wider.

Die chinesische Regierung hat nun angefangen die totale Abriegelung in Shanghai zu lockern. Einigen Einwohnern durften gar in lokalen Geschäften Lebensmittel einkaufen. Doch in anderen Städten dauert der Lockdown weiter an. Es wird bestimmt noch einige Zeit dauern, bis die Inlandslogistik und die Lieferketten wieder ihren gewohnten Arbeitsrhythmus aufnehmen können. Bis dahin werden die Versorgungsketten weiterhin extrem angespannt bleiben.

Der Arabica Markt in New York bleibt weiterhin stark volatil. Eine Kaltwetterfront hat die Preise am vergangenen Montag um 18 c/lb in die Höhe getrieben. Der Frost blieb aus und der Markt beruhigte sich anschließend wieder. Alle Augen sind auf die Temperaturentwicklung in den brasilianischen Kaffeeregionen gerichtet und beobachten diese aufmerksam. Volatilität bleibt uns in den kommenden Monaten garantiert erhalten.
CONAB - die nationale Behörde für Lebensmittelversorgung und Statistik - hat die ursprüngliche Ernteprognose um 2,3 Millionen Säcke gesenkt: Die neue Schätzung für die Ernte 22/23 liegt bei 53,4 Millionen Säcken. Dies wird die allgemeine Nervosität auf dem Markt in den kommenden Wochen sicherlich noch verstärken.

Die wichtigsten Marktveränderungen können Sie in der unten stehenden Tabelle verfolgen.

Wir aktualisieren sie wöchentlich.

 

Äthiopien

Die Nachwirkungen des Krieges zwischen der Regierung und den TPLF-Rebellen belasten die Wirtschaftskraft des Landes extrem. Die Äthiopische Währung Birr hat stark an Wert verloren und importierte Güter werden hierdurch sehr teuer. Infolgedessen erreichte die Inflationsrate in Äthiopien im April fast 35%. Dies ist die höchste Rate seit November 2011. Insbesondere die Preise für Lebensmittel und Benzin sind überproportional gestiegen. Das alltägliche Leben ist für die Mehrheit der Äthiopier extrem teuer geworden.
Die vergangenen Wochen brachten reichlich Regen in den Kaffeeregionen mit sich. Eine gute Nachricht für die neue Ernte 22/23. Auf der anderen Seite sind die Straßen sehr schlammig und mühsam zu befahren: der Transport von Kaffee aus dem Landesinneren nach Addis Abeba wird langsamer und schwieriger als sonst.
Hohe Kaffeepreise und logistische Engpässe im Hafen von Dschibuti haben die Handelsaktivitäten erheblich verlangsamt. Der Rückstau ist in den Lagerhäusern der Exporteure und in den Dry-Mills in Addis Abeba zu sehen. Hier stapelt sich der Kaffee und wartet darauf, verarbeitet bzw. verkauft zu werden.
Die gebremste Wirtschaftslage hat zu einem Rückgang der Importe geführt. Infolgedessen gibt es nicht genügend Lebensmittelcontainer, die ins Land kommen. Hinzu kommt noch dass Reedereien ihre haben Fahrpläne nach Dschibuti momentan reduziert haben. Mit Verspätungen ist zu rechnen.

Kenia

 Im Vorfeld der für den 9. August angesetzten Präsidentschaftswahlen hat der Präsidentschaftskandidat Raila Odinga dem ugandischen Präsidenten Museveni einen Höflichkeitsbesuch abgestattet. Odinga zählt auf die Unterstützung des derzeitigen kenianischen Präsidenten Uhuru Kenyatta, und es sieht sehr danach aus, dass er die Wahlen im August gewinnen wird.
An den Tankstellen bilden sich lange Schlangen, da die Benzinpreise rapide ansteigen. Auch in Kenia macht sich die Inflation bemerkbar, insbesondere bei Öl und Gas. Intensive Regenfälle haben die Bodenfeuchtigkeit nach einer langen trockenen und heißen Wetterperiode in den Kaffeeregionen wiederhergestellt.
Die Fly-Crop schreitet den Erwartungen entsprechend voran. Die Versteigerungen sollen am 21. Juni erneut beginnen.
Im Hafen von Mombasa kommt es aus ähnlichen Gründen zu Verzögerungen: Mangel an geeigneten Containern und Stornierung der Buchungen durch die Reedereien.

Tansania

Ähnlich wie andere ostafrikanische Länder hat auch Tansania mit einer rasch steigenden Inflationsrate zu kämpfen. Vor allem die Kosten für Treibstoff schießen in die Höhe.
Im südlichen Hochland um Mbeya, Mbozi und Mbinga hat es in den letzten Wochen stark geregnet. In den tiefer gelegenen Gebieten um Mbinga hat die Ernte bereits begonnen. Die anderen Regionen im Süden werden voraussichtlich im Juni mit der Ernte beginnen. 

Ruanda

Gute Wetterbedingungen begünstigen einen gleichmäßigen Reifungsprozess.
Die Ernte schreitet gut voran, und die Trockenmühlen in Kigali erhalten die ersten Pergamentlieferungen. Die Trockenmühlen nehmen ihre Arbeit auf.

 

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