Allgemeine Kaffeenews
Die Zeit der diplomatischen Zwischentöne scheint vorerst beendet. Was über Monate hinweg in vertraulichen Kanälen verhandelt wurde, ist nun offen eskaliert. Die Vereinigten Staaten und Israel haben ihre Drohungen gegenüber dem Iran militärisch umgesetzt. Berichten zufolge wurden dabei auch ranghohe Vertreter des iranischen Machtapparates getötet, darunter Oberhaupt Ali Chamenei.
Militärische Logik kennt selten Stillstand. Weitere Raketenangriffe gelten als wahrscheinlich. Die Hoffnung auf rasche Deeskalation ist verständlich – doch strategisch betrachtet derzeit nicht besonders belastbar.
Die unmittelbaren Konsequenzen zeigen sich nicht auf den Schlachtfeldern, sondern auf den Weltmeeren. Maersk, die dänische Reederei, hat als erste große Linienreederei ihre Routen durch das Rote Meer ausgesetzt. Container aus Ostafrika, die nach Europa bislang wieder vermehrt über den Suezkanal verschifft wurden, nehmen nun erneut den langen Weg um das Kap der Guten Hoffnung. Zwei bis drei Wochen zusätzliche Transitzeit sind keine abstrakte Zahl. Sie bedeuten gebundenes Kapital, steigende Versicherungsprämien und höhere Frachtraten.
Gleichzeitig reagiert der Energiemarkt. Der Preis für Brent-Rohöl sprang um rund zehn Prozent. Entscheidend wird sein, ob es sich um eine spekulative Übertreibung handelt – oder ob eine mögliche Blockade der Straße von Hormus die globale Energiearchitektur nachhaltig beeinträchtigt. Rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels passiert diese Meerenge. Sollte sie dauerhaft gestört werden, hätte das Folgen weit über den Nahen Osten hinaus.
Und der Kaffeemarkt?
Hier beginnt die zweite Ebene der Geschichte.
Lange war die Frage: wie stark wird die geopolitische Spannung die Rohstoffmärkte insgesamt erfassen? Inzwischen zeigt sich ein differenzierteres Bild. Während Energiepreise in diesem speziellen Fall sensibel reagieren, verhält sich Kaffee bislang erstaunlich robust. Die fundamentalen Daten sprechen derzeit eine nüchterne Sprache.
In Brasilien und Vietnam deuten die Ernteprognosen auf solide Mengen hin. Aus Mittelamerika werden Rekordverschiffungen gemeldet. Das knappe Angebot der vergangenen Jahre beginnt sich graduell zu entspannen.
Seit Jahresbeginn sind die Arabica-Preise um rund 25 Prozent gefallen. In der vergangenen Woche markierte der Markt mit 275,35 c/lb ein neues 6-Monats-Tief, bevor er bei 280,75 c/lb schloss – ein moderates Wochenminus von 1,7 Prozent. In London zeigte sich Robusta ähnlich gelassen: nach einem neuen Sechsmonatstief bei 3.517 USD/MT endete die Woche bei 3.624 USD/MT (+0,9 %).
Das eigentliche Spannungsfeld liegt jedoch tiefer.
Während geopolitische Krisen kurzfristige Marktbewegungen auslösen, wirken die langfristigen Kräfte im Hintergrund weiter – oft leiser, aber nachhaltiger. Eine aktuelle Studie in Nature Ecology & Evolution weist auf eine beschleunigte Erwärmung der Weltmeere hin. Die Ozeane sind der größte Wärmespeicher des Planeten. Doch steigende Temperaturen reduzieren marine Biomasse und destabilisieren Ökosysteme. Biodiversitätsverlust ist kein isoliertes Umweltproblem, sondern ein Risikofaktor für globale Lieferketten – einschließlich der Agrarrohstoffe – und somit auf für Kaffee sehr relevant.
Hier verschiebt sich der innere Konflikt dieses Marktes. Zunächst dominierte die Frage: wie reagieren wir auf den nächsten Schock?
Inzwischen wird deutlicher: entscheidend ist nicht der einzelne geopolitische Ausschlag, sondern die strukturelle Resilienz der Systeme. Was heißt das?
Kaffee bleibt ein landwirtschaftliches Gut – verwundbar gegenüber Wetterextremen, geopolitischen Spannungen und Finanzierungsbedingungen. Doch aktuell zeigt der Markt eine bemerkenswerte Stabilität.
Vielleicht liegt darin die eigentliche Erkenntnis dieser Woche: nicht jede Krise übersetzt sich unmittelbar in Preisexplosion. Märkte differenzieren.
Und genau das werden wir weiter beobachten.
Die folgende Tabelle enthält die relevantesten Kaffeeinformationen und wird wöchentlich aktualisiert.

Nachrichten aus den Ursprungsländern: Äthiopien, Kenia, Tansania, Ruanda, Uganda
Äthiopien
Als gäbe es weltweit nicht bereits genügend Unruhe, verschärfen sich die Spannungen zwischen der äthiopischen Regierung, der nördlichen Region Tigray und dem Nachbarstaat Eritrea. Diese Reibungen nähren die Sorge vor einer Rückkehr zu gewaltsamen Auseinandersetzungen – nur drei Jahre nach dem Ende des letzten Krieges. Für eine Region, in der frühere Konflikte Tausende von Menschenleben forderten und zentrale Handelsrouten am Roten Meer beeinträchtigten, wäre dies ein verheerendes Szenario.
Während die politische Lage volatil bleibt, zeigen sich die Wetterbedingungen deutlich stabiler: es ist überwiegend trocken und sonnig.
Im Kaffee-Sektor fand kürzlich die AFCA-Messe in Addis Abeba statt. Dort trafen sich Kaffeefarmer, Kooperativen, Maschinenhersteller, Röster und Rohkaffee-Einkäufer. Philip von der Goltz, geschäftsführender Gesellschafter von L+B, nahm an der Veranstaltung teil und brachte aufschlussreiche Eindrücke sowohl von der Messe als auch aus Gesprächen mit lokalen Partnern mit – mehr zu seiner Reise findet ihr hier.
Die Ernte 2025/2026 ist in Äthiopien inzwischen abgeschlossen. Die Preise blieben auf hohem Niveau. Gewaschene Kaffees sind in dieser Saison eher knapp und entsprechend teuer, insbesondere die aus Sidama, Yirgacheffe und Guji.
Kenia
Kenia befindet sich im Übergang in die Regenzeit; die vergangene Woche war landesweit bereits von starken Niederschlägen geprägt. Nach einer Phase intensiver Hitze und Trockenheit bringt dies dringend benötigte Entlastung. Erste Meldungen zur Blüte der kommenden Haupternte liegen ebenfalls vor.
Die Haupternte ist – trotz eines frühen Starts – inzwischen abgeschlossen. Zwar arbeiten die Trockenmühlen weiter, doch die Aktivität nimmt spürbar ab, und die Zuflüsse nach Nairobi gehen allmählich zurück. Aufgrund früherer Hitzewellen bestehen jedoch Bedenken hinsichtlich Wasserstress und möglicher Qualitätseinbußen.
Die Gesamtproduktion liegt laut Berichten leicht über dem Vorjahr und auch die Qualität ist hoch. Wir haben außergewöhnliche Qualitäten aus Nyeri, Murang'a und Kirinyaga verkostet. Die ersten Verschiffungen werden im Laufe des Monats erwartet.
Logistisch bleibt die Lage angespannt: Der Hafen von Mombasa leidet weiterhin unter Überlastung, begleitet von einem Mangel an Lkw und Containern. Diese Engpässe führen zwangsläufig zu Verzögerungen – nicht nur für Kenia, sondern auch für Nachbarländer, die Mombasa als Exportdrehscheibe nutzen.
Tansania
Auch Tansania war auf der AFCA vertreten und wurde dort als führender Produzent zertifizierter Kaffees in Afrika gewürdigt. Global rangiert das Land inzwischen auf Platz vier – hinter Brasilien, Peru und Mexiko.
Wetterseitig herrschen landesweit warme und feuchte Bedingungen, da der Übergang in die Regenzeit eingesetzt hat.
Die laufende Ernte ist weitgehend abgeschlossen. Der Fokus richtet sich nun auf die kommende Saison. Der momentane Regen ist gut sowohl für die Entwicklung der Kaffeepflanzen als auch für die Kirschen.
Im Hafen von Dar es Salaam kommt es zu erheblichen Engpässen. Insbesondere die begrenzte Verfügbarkeit von 20-Fuß-Containern führt zu anhaltenden Verzögerungen.
Ruanda
Wie in Uganda und Tansania setzt auch in Ruanda die Regenzeit ein.
In der Süd- und West-Region hat die Ernte 2026 begonnen. Die Kirschen werden von Hand gepflückt und an Sammelstellen sowie Washing Stations geliefert. Die Ernteaktivitäten sollen bis Juli andauern. Insgesamt wird das Produktionsvolumen in dieser Saison leicht unter dem Vorjahr erwartet, die Qualität hingegen dürfte hoch bleiben.
Uganda
Uganda verzeichnete im Februar regelmäßige Niederschläge, was die Pflanzengesundheit und die Blüte für die bevorstehende Robusta-Ernte begünstigt.
Die Robusta-Ernte 2025/2026 ist größtenteils abgeschlossen, sodass die Zuflüsse nach Kampala saisonal bedingt zurückgehen.
Im Westen des Landes hat zudem die Arabica-Ernte begonnen.
Roh-Kaffee Produktionsmengen: Ost-Afrika











Urs zusammen mit Niklas, unserem Head of Spot Sales, auf dem Swiss Coffee festival 2025.




























Training zum Stumping und Kompostieren


































Nicht-EU-Markt (Kaffee-Ursprungsländer):






















