von Philip von der Goltz
Kaffeemarkt: was geschah letzte Woche – und wohin geht die Reise?
Die süße Ironie des Schicksals. Daran musste ich heute beim Lesen der Nachrichten denken. Bleiben die Dieselpreise auf ihren Rekordniveaus, könnten sie ausgerechnet das beschleunigen, was manche ihrer politischen Verursacher wenig begeistert: den Umstieg auf alternative Energiequellen. So werden Präsident Trump, die iranischen Machthaber, Putin und Präsident Selenskyj ganz nebenbei und völlig unfreiwillige grüne Aktivisten. Wer hätte das gedacht?
Im Rohstoffhandel gibt es dafür einen passenden Satz: The cure for high prices is ... high prices. Das beste Mittel gegen hohe Preise sind – Trommelwirbel – hohe Preise. Die Geschichte hat es uns oft genug gezeigt. Werden Öl, Diesel und Benzin dauerhaft teuer, wächst der Anreiz, Alternativen zu entwickeln und einzusetzen.
Hinzu kommt eine geopolitische Lage, in der Autarkie zunehmend mehr zählt als internationale Zusammenarbeit. Der Energieengpass dürfte sich deshalb kaum allein durch zusätzliche Öltanker aus den Förderländern auflösen lassen. Gleichzeitig wird der Energiehunger moderner Gesellschaften in den kommenden Jahren nicht kleiner. Alternativen müssen her. Und hohe Preise machen sie attraktiver.
In der Kaffeewelt sind die Akteure und ihre Motive glücklicherweise andere. Der wirtschaftliche Mechanismus ist jedoch verblüffend ähnlich.
Die hohen Preise der vergangenen drei bis vier Jahre haben Kaffeeproduzenten dazu motiviert, konsequent in ihre Farmen zu investieren. Gute Pflege und ausreichend Wasser – durch Bewässerung oder Regen – führen zu höheren Erträgen. Brasilien zeigt gerade, was daraus werden kann. Das Land fährt eine Rekordernte ein, und die Verschiffungen gewinnen rasant an Tempo. Schon der August war ein Rekordmonat, und der September schickt sich an, ebenfalls einen Rekord zu markieren.
Auch in Vietnam steht die neue Ernte vor der Tür. Die ersten Schätzungen stimmen zuversichtlich: erwartet werden laut Expertenschätzungen über 35 Millionen Sack. Investiert wurde ebenso in den übrigen Produktionsländern. In den tiefer gelegenen Regionen Zentralamerikas hat die Ernte bereits begonnen. Kolumbien steht vor seiner Haupternte, kämpft allerdings noch mit den Folgen des starken Erdbebens und den daraus entstandenen Schäden an seiner Infrastruktur.
An den Kaffeebörsen sorgt das für etwas Entspannung. Die zertifizierten Bestände sind zwar weiterhin extrem niedrig, doch der Blick auf die kommenden Monate fällt freundlicher aus: es ist genug Kaffee in der Pipeline.
Auch der sich langsam entwickelnde Super-El-Niño dürfte daran nach heutiger Einschätzung - zumindest kurzfristig - wenig ändern. Seine möglichen Auswirkungen treffen auf eine höhere Produktion und einen etwas gebremsten Konsum. In dieser Konstellation erwarten wir daraus keinen dauerhaft preistreibenden Effekt.
Die Börsen in New York und London spiegelten diese Einschätzung vergangene Woche wider. Am Mittwoch erreichten Arabica und Robusta jeweils ein neues Dreimonatstief. Zum Wochenschluss lagen die Notierungen dann aber nahezu unverändert gegenüber der Vorwoche. Die Handelsvolumina blieben an beiden Märkten gering. Auch die Volatilität hielt sich, gemessen an den Ausschlägen der jüngeren Vergangenheit, in überschaubaren Grenzen.
Eine unspektakuläre Handelswoche. Nach den vergangenen Monaten ist auch das eine gute Nachricht.
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Kaffeemarktdaten zusammen. Wir aktualisieren sie wöchentlich:

Nachrichten aus dem Ursprungsländern: Brasilien, Kolumbien, Peru
Brasilien
Ob Politik oder Kaffee – derzeit richten sich alle Blicke auf Brasilien. Am 4. Oktober wählen die Brasilianer einen neuen Präsidenten. Als Favoriten gelten der aktuelle Präsident Lula da Silva und Flávio Bolsonaro, Sohn des ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro. Flávio Bolsonaro möchte Brasilien näher an die USA und weiter weg von China führen. Lula setzt im Wahlkampf dagegen auf Konfrontation: er verspricht, Trump die Stirn zu bieten, und wirft ihm vor, sich in die brasilianischen Wahlen einzumischen.
Beim Kaffee bleibt die Prognose einer Rekordernte unverändert. CONAB, Brasiliens staatliche Versorgungsgesellschaft, erwartet eine Produktion von 67,6 Millionen Sack – ein Plus von 19,6 % gegenüber der vorherigen Ernte. Auch die Kaffeeexporte erreichten einen Augustrekord: Laut dem brasilianischen Kaffeeexportverband Cecafé stiegen sie um 31 % auf 4,1 Millionen Sack.
Die Ernte 2026/2027 ist inzwischen nahezu abgeschlossen. Brasilianischer Kaffee kommt weiter auf den Markt und vergrößert das weltweite Angebot. Der Arabica-Handel hat sich allerdings verlangsamt, und die Verfügbarkeit höherwertiger sowie zertifizierter Kaffees wird knapper. Zudem scheinen die Produzenten angesichts der niedrigeren New Yorker Börsenkurse nur zögerlich zu verkaufen.
Auch Conilon (Robusta) wird nur in kleinen Mengen gehandelt, obwohl Bestände verfügbar sind.
Für die kommende Ernte 2027/2028 zeichnen die Prognosen ebenfalls ein positives Bild. Regelmäßige Niederschläge begünstigen die Blüte. Wie in anderen Teilen der Welt bestehen jedoch Sorgen über mögliche negative Auswirkungen von El Niño in den kommenden Monaten.
Die Logistik bleibt herausfordernd. Die Nachfrage nach Frachtraum ist hoch, und die Reedereien sind bereits mehrere Wochen im Voraus ausgebucht.
Kolumbien
Die Aussicht auf einen stärkeren El Niño sorgt auch in Kolumbien für Beunruhigung. Die Prognosen deuten auf unterdurchschnittliche Niederschläge in den kommenden Monaten hin. Das schafft vor der Haupternte Unsicherheit hinsichtlich der Entwicklung, der Erträge und der Qualität. Noch sind die Auswirkungen begrenzt; die kritischste Phase wird gegen Jahresende und bis in den Januar 2027 hinein erwartet.
Die Mitaca, die Nebenernte, ist nahezu abgeschlossen, und der Kaffeezufluss ist gut. Der Handel verläuft jedoch schleppend, da die Produzenten zu den aktuellen Marktpreisen nur ungern verkaufen.
Nach Angaben des kolumbianischen Kaffeebauernverbands hat das Erdbeben im August die Erntemengen nicht beeinträchtigt, obwohl Teile im Südosten und im Zentrum des Landes betroffen waren. Als größeres Risiko für die kommende Ernte gelten die mit El Niño verbundenen höheren Temperaturen und ausbleibenden Niederschläge.
Nach dem Erdbeben wurde der Betrieb im Hafen von Buenaventura wieder aufgenommen.
Peru
In den nördlichen Regionen, darunter Cajamarca, Piura und Amazonas, ist es heiß und trocken. Das begünstigt die Ernte- und Trocknungsarbeiten. Die Ernte läuft noch; in den Höhenlagen müssen noch rund 20 % der Ernte eingebracht werden.
Wie in Kolumbien halten die Produzenten ihre Bestände angesichts der niedrigeren Notierungen am New Yorker C-Markt zurück. Die Nachfrage ist hoch. Da gleichzeitig nur wenig Kaffee verfügbar ist, steigen die lokalen Preise.
Über den Hafen von Callao wird Kaffee regulär verschifft, allerdings kommt es vereinzelt zu Verzögerungen. Die ersten Kaffees der neuen Ernte aus Peru sind bereits in unseren Hamburger Lagern eingetroffen. Entdecken Sie diese in unserem Webshop.
Produktionsschätzungen für Südamerika



































Urs zusammen mit Niklas, unserem Head of Spot Sales, auf dem Swiss Coffee festival 2025.
























Training zum Stumping und Kompostieren


































Nicht-EU-Markt (Kaffee-Ursprungsländer):






















