Kaffeemarkt: was geschah letzte Woche – und wohin geht die Reise?
Gemessen an den vergangenen Monaten verlief die geopolitische Großwetterlage erstaunlich ruhig. Die Konflikte in der Ukraine, im Nahen Osten und an anderen Krisenherden der Welt sind keineswegs beendet. Dennoch mehren sich die Anzeichen dafür, dass diplomatische Kanäle wieder ernsthaft genutzt werden. Das allein ist bereits eine gute Nachricht.
Damit rückt eine andere Form der Auseinandersetzung stärker in den Mittelpunkt: die wirtschaftliche. Vor gut einem Jahr rief US-Präsident Trump den „Liberation Day" aus und überzog einen Großteil der Welt mit neuen Zöllen. Die befürchtete globale Rezession blieb zwar aus, doch die Auswirkungen auf den Welthandel sind unübersehbar.
Seither bemühen sich Staaten aller Größenordnungen darum, ihre Abhängigkeiten zu reduzieren – von Washington ebenso wie von Peking. Neue Handelsabkommen werden verhandelt, Lieferketten neu geordnet und strategische Partnerschaften aufgebaut. Gleichzeitig zeigt sich zunehmend die Kehrseite der Medaille: für Verbraucher steigen die Preise. Zusammen mit höheren Energiekosten deutet vieles darauf hin, dass die Weltwirtschaft vor einer weiteren, zeitverzögerten Inflationswelle stehen könnte.
Was die steigenden Kosten für europäische und amerikanische Haushalte bedeuten, gilt strukturell auch für Kaffeeproduzenten — mit dem Unterschied, dass deren Markt gerade kein Bullenmarkt mehr ist. Diesel, Düngemittel, Arbeitskräfte: alles teurer. Und der Preis, den sie für ihre Ernte erzielen, tendenziell fallend.
Letzte Woche war ruhig. Zu ruhig, um beruhigt zu sein.
Arabica in New York mäanderte zwischen 265 und 275 Cent pro Pfund, um dann am Freitag mit einem Minus von 2,5 Prozent bei 265,60 c/lb ins Wochenende zu gehen. London zeigte etwas mehr Regung — schloss 0,6 Prozent höher bei 3.476 USD/MT. Spektakulär war das nicht.
Was den Markt wirklich bewegt, ist die Frage dahinter: was machen die brasilianischen Produzenten? Ihre Ernteschätzungen für 2026/27 sind beeindruckend — zwischen 71 und 76 Millionen Sack, je nach Quelle. Die Zahlen wurden nach dem Santos-Kongress erst einmal verdaut. Trockenes Wetter in Brasilien begünstigt die laufende Ernte.
Die entscheidende Frage: bleiben die brasilianischen Farmer diszipliniert und halten Ware zurück? Oder verkaufen sie in den fallenden Markt? Ihre Forward-Verkäufe für 2026/27 liegen derzeit bei rund 8 Prozent — historisch bedeutet das: sie warten ab. Das gibt dem Markt vorerst einen Boden. Wie lange, weiß niemand.
Während das trockene Wetter die brasilianische Ernte derzeit begünstigt, sorgten Temperaturen von 35 bis 40 Grad Celsius zuletzt auch in Europa und Teilen der USA für Gesprächsstoff. Der Mai 2026 dürfte vielerorts als einer der heißesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Erinnerung bleiben. Sollte dies tatsächlich ein Vorgeschmack auf den Sommer sein, empfiehlt es sich, die Cold-Brew-Vorräte rechtzeitig aufzufüllen.
Oder wir versuchen unseren CO2-Fußabdruck zurückzuführen und orientieren uns an einer wachsenden Zahl moderner Kaffeebauern. Viele investieren inzwischen in regenerative Landwirtschaft, verbessern hierdurch ihre Böden, erhöhen die Widerstandsfähigkeit ihrer Farmen und steigern gleichzeitig ihre Produktivität. Die bemerkenswerte Erkenntnis: Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit müssen kein Widerspruch sein.
Manchmal sind die besten Innovationen eben keine Apps, keine Algorithmen und keine künstliche Intelligenz – sondern schlicht gesündere Böden und ein wenig mehr Schatten.

Nachrichten aus dem Ursprungsländern: Vietnam, Indonesien, Indien
Vietnam
In Vietnam sorgt das mögliche Wiederaufflammen eines Super-El-Niño-Ereignisses für Aufmerksamkeit. Besonders in der zweiten Jahreshälfte könnten ungewöhnlich heiße und trockene Wetterbedingungen die Entwicklung der Kaffeepflanzen beeinträchtigen. Bereits im ersten Quartal 2026 lagen die Niederschläge in den wichtigsten Kaffeeanbaugebieten des Zentralen Hochlands – darunter Dak Lak, Gia Lai, Kon Tum, Dak Nong und Lam Dong – unter dem langjährigen Durchschnitt. Dies könnte sich negativ auf die Entwicklung der kommenden Ernte auswirken.
Derzeit profitieren die Anbaugebiete jedoch von moderaten Niederschlägen, die von den Produzenten genutzt werden, um ihre Felder zu düngen. Gleichzeitig werden aus Hanoi und dem Norden Vietnams ungewöhnlich hohe Temperaturen gemeldet.
Trotz dieser Herausforderungen bleibt der Ausblick positiv. Das USDA erwartet für die Ernte 2026/27 eine Steigerung der vietnamesischen Kaffeeproduktion auf 32,5 Millionen Sack. Davon sollen rund 31,4 Millionen Sack auf Robusta entfallen. Bereits die Saison 2025/26 verzeichnete einen Produktionsanstieg von 9,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Als Hauptgründe werden Produktivitätssteigerungen sowie die zunehmende Verbreitung klimaresistenter Kaffeesorten genannt.
Aus dem Hafen von Ho-Chi-Minh-Stadt gibt es derzeit keine nennenswerten Neuigkeiten.
Indonesien
In Indonesien bleibt das Wetter vielerorts nass. Besonders auf Sumatra erschweren anhaltende Niederschläge die Trocknung sowohl der sogenannten Fly Crop als auch der Robusta-Ernte. Gleichzeitig stimmen die starken Blühereignisse zu Beginn des Jahres optimistisch für die kommende Haupt-Arabica-Ernte, deren Beginn für September/Oktober erwartet wird.
Die Erntearbeiten laufen derzeit auf Java und beginnen zunehmend auch in Sulawesi und auf Bali.
Laut aktuellem Bericht des USDA Foreign Agricultural Service sank die indonesische Arabica-Produktion in der Saison 2025/26 auf 1,37 Millionen Sack à 60 Kilogramm, nach 1,45 Millionen Sack im Vorjahr. Hauptursache waren Überschwemmungen und Erdrutsche infolge tropischer Stürme im November 2025, die insbesondere die Regionen Aceh und Nord-Sumatra schwer getroffen haben. Einige Arabica-Plantagen wurden erheblich beschädigt und benötigen nach aktuellen Einschätzungen zwei bis drei Jahre, um sich vollständig zu erholen. Darüber hinaus ist ein Teil der Infrastruktur weiterhin reparaturbedürftig, was die Transportkosten erhöht.
Für das Kaffeejahr 2026/27 prognostiziert das USDA einen Rückgang der gesamten indonesischen Kaffeeproduktion um rund 8 Prozent auf 11,38 Millionen Sack. Überdurchschnittlich starke Niederschläge in den wichtigsten Robusta-Anbaugebieten Süd-Sumatras und Javas haben die Blüte sowie die Entwicklung der Kaffeekirschen beeinträchtigt und belasten damit die Ertragserwartungen.
Aus dem Hafen von Lampung werden derzeit keine besonderen Entwicklungen gemeldet.
Indien
In Indien bleiben die Temperaturen hoch, doch inzwischen setzt der Monsun ein und sorgt nach einer Phase extremer Hitze für dringend benötigte Entlastung.
Derzeit befindet sich das Land zwischen zwei Erntezyklen. Die neue Ernte beginnt traditionell gegen Ende des Jahres. Auch für Indien hat der USDA Foreign Agricultural Service neue Schätzungen veröffentlicht. Demnach dürfte die Kaffeeproduktion um 4,5 Prozent auf 6,14 Millionen Sack à 60 Kilogramm zurückgehen. Besonders die Arabica-Produktion leidet unter den Witterungsbedingungen: Auf starke Niederschläge zu Jahresbeginn folgte eine längere Trockenperiode während der Blüte- und Fruchtentwicklungsphase.
Aus den Häfen Cochin und Mangalore gibt es aktuell keine wesentlichen Neuigkeiten.
Produktionsstatistik Asien Pazifik


























Urs zusammen mit Niklas, unserem Head of Spot Sales, auf dem Swiss Coffee festival 2025.

























Training zum Stumping und Kompostieren


































Nicht-EU-Markt (Kaffee-Ursprungsländer):






















