Kaffeemarkt: was geschah letzte Woche - und wohin geht die Reise?
Die Ökonomen sind sich einig: der Iran-Krieg hat die Energiepreise spürbar verteuert und erzeugt somit Inflationsdruck – egal ob in Europa, USA oder anderswo. So argumentierte bereits die Europäische Zentralbank als sie am 11. Juni den Leitzins um 25 Basispunkte erhöhte und so hört man es auch aus Kreisen der US Federal Reserve. Der von Präsident Trump installierte Ex-Morgan-Stanley-Banker und neuer Fed-Chef Kevin Warsh hat in der letzten Sitzung vom Mittwoch – die Zinsen blieben unverändert – keine Zweifel an seiner Kursausrichtung gelassen: das Komitee der Fed wird Preisstabilität liefern – und das bedeutet Bekämpfung der Inflation durch höhere Zinsen. Das ist paradox, denn Trump wünscht sich eher niedrige Zinsen um der amerikanischen Wirtschaft einen Wachstumsimpuls zu geben.
Aber nicht nur in der Zinspolitik ist die Richtung recht volatil. Gerade als Alles wieder nur in eine Richtung zeigte und die Meinung der Kaffee-Börsen-Experten sich im Bearishen-Unisono wiederfanden, wendeten die Arabica Preise in New York mit einem harten U-Turn nach „oben". Knappe 7 Prozent in nur vier Tagen – das ist nicht schlecht für eine durch den Juneteenth-Feiertag verkürzte Handelswoche. Hierdurch endete diese Handelswoche bereits am Donnerstag bei 275,10c/lb.
Doch was hat die Rallye ausgelöst?
An erster Stelle steht das Short-Covering der Fonds. Hinzu kommt die anhaltende Knappheit börsenzertifizierter Bestände. Marktteilnehmer diskutieren zudem darüber, ob Kapital nach dem Rückgang der Ölpreise teilweise in andere Rohstoffmärkte – darunter Kaffee – umgeschichtet wurde.
Unterstützung kam außerdem aus Brasilien. Anhaltende Niederschläge erschweren in einigen Regionen die Erntearbeiten. Zu viel Regen kann während der Ernteperiode feuchtebedingte Qualitätsprobleme verursachen und die Aufbereitung verzögern. Sollte sich die Situation fortsetzen, könnten sich Verschiffungen verschieben und die Verfügbarkeit hochwertiger Qualitäten wie Strictly Soft Fine Cups oder Good Cups geringer ausfallen als ursprünglich erwartet.
Die Robusta Preise in London verhielten sich ähnlich. Auch hier marschierten die Preise nur noch in eine Richtung. Zwar nicht so vehement wie in New York aber durchaus bestimmt: am Freitag schloss der Juli 2026 bei 3.640 USD/MT, markierte somit ein Plus von 1,3% zum Wochenende. Zwischenzeitlich erreichte der Markt mit 3.736 USD/MT sogar den höchsten Stand der vergangenen vier Monate.
Die US-Börsen hatten am Freitag geschlossen — die WM-Fans hingegen nicht.
USA gegen Australien, Gruppenphase, Gastgeber gegen Außenseiter. Wobei: Gastgeber ist bei dieser WM ein dehnbarer Begriff. Zum ersten Mal in der Geschichte teilen sich drei Länder die Ausrichtung — Kanada, Mexiko, USA. 2002 waren es erstmals zwei (Japan und Südkorea), 2030 werden es drei Kontinente sein: Portugal, Spanien und Marokko als Hauptgastgeber, plus je ein Spiel in Uruguay, Argentinien und Paraguay. Die FIFA nennt das Jubiläum. Andere nennen es Logistik-Alptraum. Bleibt die Frage, was 2034 kommt — Saudi-Arabien hat den Zuschlag, aber bei diesem Expansionstempo ist Elon Musks Bewerbung für Erde, Mond und Mars nur eine Frage der Zeit. Wer dort dann den Kaffee liefert? I don't know. Nach dem heißen Wochenende brauche ich erst mal ein eisgekühlten Cold Brew (Tonic)... JETZT!

Nachrichten aus den Ursprungsländern: Äthiopien, Kenia, Tansania, Ruanda, Uganda
Äthiopien
In Äthiopien haben jüngst Wahlen stattgefunden. Aufgrund von Sicherheitsbedenken wurde die Stimmabgabe in Teilen der Regionen Oromia und Amhara ausgesetzt. Nach aktuellem Stand dürfte die Prosperity Party von Premierminister Abiy Ahmed, die seit 2018 regiert, weitere fünf Jahre an der Macht bleiben.
Von der Politik zum Wetter: In den Anbaugebieten Sidamo, Yirgacheffe und Guji stehen die Zeichen weiterhin auf Regen. Die Niederschläge sind während der Blütephase der kommenden Ernte 2026/27 von großer Bedeutung, deren Entwicklung üblicherweise im Oktober beginnt.
Der lokale Kaffeemarkt zeigt sich derzeit ruhig.
Logistisch kommt es weiterhin zu Verzögerungen aufgrund von Containerknappheit.
Kenia
In Kenia wird das Wetter etwas trockener. Für die Anbaugebiete Kirinyaga, Nyeri, Murang'a und Kiambu werden in dieser Woche lediglich vereinzelte Niederschläge erwartet.
Gleichzeitig schreitet die sogenannte Fly Crop planmäßig voran. Sowohl die Mengen als auch die Qualität der Ernte werden aufgrund der günstigen Witterungsbedingungen positiv eingeschätzt.
Laut dem jüngsten Bericht des USDA Foreign Agricultural Service soll die kenianische Kaffeeproduktion im Vermarktungsjahr 2026/27 um knapp 12 % auf 950.000 Sack à 60 Kilogramm steigen. Als Hauptgründe werden eine Ausweitung der Anbauflächen sowie verbesserte Bewirtschaftungsmethoden nach zwei Jahren attraktiver Kaffeepreise genannt.
Darüber hinaus treibt Kenia sein Programm zur Ausweitung des Kaffeeanbaus in den Zentral-, Ost- und Rift-Valley-Regionen voran. Unterstützt wird dieses Vorhaben durch die staatlich geförderte New Kenya Planters Co-operative Union, die den Produzenten über einen revolvierenden Fonds Setzlinge und Düngemittel zur Verfügung stellt.
Die Auktionen an der Nairobi Coffee Exchange pausieren derzeit und sollen im Juli wieder aufgenommen werden.
Am Hafen von Mombasa werden weiterhin Containerengpässe gemeldet, die zu erheblichen Verzögerungen führen.
Tansania
In Tansania herrschen weiterhin sonnige und trockene Bedingungen. Gleichzeitig beginnt die Erntesaison allmählich, insbesondere in den tiefer gelegenen Anbaugebieten, wo die Kirschernte bereits angelaufen ist.
Die Reifung der Kaffeekirschen schreitet sowohl in den Arabica- als auch in den Robusta-Regionen voran. Der Höhepunkt der Ernte wird zwischen Juli und August erwartet.
Für die laufende Saison wird sowohl bei Arabica als auch bei Robusta eine etwas größere Ernte prognostiziert. Begünstigt wird dies durch gute Wetterbedingungen und die steigende Produktivität neu angepflanzter Kaffeebäume. Das USDA erwartet für das Vermarktungsjahr 2026/27 einen Produktionsanstieg um 10,3 % auf 1,6 Millionen Sack à 60 Kilogramm, nach 1,45 Millionen Sack im Vorjahr.
Die Abläufe im Hafen von Dar es Salaam verlaufen weiterhin ohne größere Einschränkungen.
Uganda
Der Ebola-Ausbruch beeinflusst die Lage in Uganda weiterhin. Das Land hat seine Grenze zur Demokratischen Republik Kongo vorübergehend geschlossen. Hintergrund ist ein Anstieg der Infektionszahlen unter ugandischen Gesundheitskräften, die Patienten aus dem Kongo behandelt hatten.
Bislang scheint der Ausbruch jedoch weder die Kaffeeernte noch die Warenströme wesentlich zu beeinträchtigen. Das ist besonders wichtig, da sich die Haupternte der Robusta-Produktion in Masaka und den westlichen Anbaugebieten derzeit auf ihrem Höhepunkt befindet.
Die Ernte hat sich allerdings deutlich verzögert und liegt derzeit etwa fünf bis sechs Wochen hinter dem üblichen Zeitplan. Inzwischen wurde rund die Hälfte der Ernte eingebracht.
Aufgrund der Verzögerungen bleibt das Angebot knapp. Nur begrenzte Mengen gelangen derzeit nach Kampala. Gleichzeitig sinken die Preise, weshalb viele lokale Händler zurückhaltend agieren und ihre Verkäufe strategisch steuern.
Ruanda
In Ruanda halten die trockenen und warmen Wetterbedingungen an und bieten ideale Voraussetzungen für die laufende Ernte.
Die Ernte nähert sich inzwischen ihrem Abschluss. Rund 90 % der Kaffeekirschen wurden bereits eingebracht.
Obwohl für diese Saison mit geringeren Mengen gerechnet wird und die Gesamtproduktion voraussichtlich um etwa 20 bis 30 % zurückgehen dürfte, werden die Qualitäten bislang als vielversprechend eingeschätzt.
Roh-Kaffee Produktionsmengen: Ost-Afrika

























Urs zusammen mit Niklas, unserem Head of Spot Sales, auf dem Swiss Coffee festival 2025.


























Training zum Stumping und Kompostieren


































Nicht-EU-Markt (Kaffee-Ursprungsländer):






















