Kaffeemarkt: was geschah letzte Woche – und wohin geht die Reise?
Eine Konstante ist aufmerksamen Kaffeebeobachtern in den vergangenen Wochen kaum entgangen: die hohe Volatilität an den Kaffeebörsen. Doch dazu später mehr. Denn es gibt noch eine zweite Konstante. Sie ist weniger spektakulär, wirkt dafür umso nachhaltiger: die hartnäckige Inflation in den USA und Europa.
Ihre Folgen sind längst spürbar. Die Zentralbanken stemmen sich mit hohen Leitzinsen gegen den Preisdruck. Kredite werden teurer, Unternehmen müssen mehr für die Finanzierung ihrer Geschäfte aufbringen. Kommen Kriege, geopolitische Spannungen und steigende Energiepreise hinzu, entsteht eine unangenehme Mischung: hohe Lebenshaltungskosten, teurer Sprit und eine Wirtschaft, die vielerorts kaum vom Fleck kommt.
In gut zwei Wochen, am 3. November, stehen in den USA die Midterm-Wahlen an. Und amerikanische Wähler stimmen bekanntlich auch mit dem Portemonnaie ab. Auch in Europa wächst die Nervosität. Die Bilder von Demonstrationen und Ausschreitungen auf Frankreichs Straßen zeigen, wie angespannt die Stimmung inzwischen ist.
Auf beiden Seiten des Atlantiks machen viele Menschen dieselbe Erfahrung: da ist noch so viel Monat am Ende des Geldes übrig.
Besonders hart trifft es Haushalte mit geringem Einkommen. Ihre Löhne und Gehälter können mit den steigenden Lebenshaltungskosten kaum Schritt halten. Gespart wird, wo es nur geht.
Glücklicherweise gehört Kaffee zu den Dingen, auf die viele Menschen nur ungern verzichten. Doch die Art des Konsums verändert sich. Der Kaffeemarkt entwickelt sich zunehmend K-förmig.
Unter Druck gerät vor allem das mittlere Preissegment. Wer beim Wocheneinkauf jeden Euro zweimal umdrehen muss, greift häufiger zu günstigeren Kaffees. Nicht unbedingt, weil diese besser schmecken, sondern weil der gesamte Einkaufskorb teurer geworden ist. Die Packung Kaffee schafft es weiterhin in den Wagen. Nur möglichst mit einem roten Angebotsschild.
Am anderen Ende des Marktes sieht die Welt anders aus. Wer sich über Lebensmittelpreise keine großen Gedanken machen muss, gönnt sich weiterhin hochwertige Kaffees. Schließlich kann ein guter Kaffee selbst den dunkelsten Herbsttag versüßen. Ob zuhause die Tasse nun 30 oder 60 Cent kostet, macht für diese Konsumenten kaum einen Unterschied.
Der eine sucht den günstigsten Kaffee. Der andere den besten. Dazwischen wird es eng.
Und damit zurück an die Volatilität der Kaffeebörsen.
Das Marktgeschehen erinnert derzeit ein wenig an einen Strand bei maximaler Ebbe. Das Wasser hat sich weit zurückgezogen. Die Flut wird irgendwann kommen, aber noch ist wenig von ihr zu sehen.
Ähnlich verhält es sich mit den Kaffeebeständen in den Konsumländern. Meldungen über sinkende zertifizierte Börsenbestände erhalten große Aufmerksamkeit. Gleichzeitig trifft immer mehr Kaffee aus der neuen brasilianischen Ernte ein. Die Rekordernte macht sich in stetigem Strom auf den Weg über den Atlantik nach Nordamerika und Europa.
Doch ein erheblicher Teil dieser Kaffees landet offenbar gar nicht erst in den zertifizierten Börsenlagern, sondern geht direkt an die Röstereien. Die sichtbaren Bestände erholen sich deshalb langsamer, als man angesichts der großen brasilianischen Ernte erwarten könnte. Der Kaffee kommt. Nur nicht unbedingt dort an, wo die Börse ihn zählt.
In diesem Spannungsfeld reichen wenige Nachrichten, um die Märkte in Bewegung zu versetzen. Die Trockenheit in Indonesien, mögliche Folgen eines starken El Niño oder der anhaltende Konflikt um die Straße von Hormus liefern reichlich Stoff für neue Spekulationen. Und die Algorithmen scheinen nur darauf zu warten.
So erreichte der Arabica-Dezemberkontrakt (KCZ26) am Freitag nach einer kleinen Rallye ein neues Sechswochenhoch bei 311,30 c/lb. Anschließend gab er einen Teil seiner Gewinne wieder ab und verabschiedete sich bei 305,60 c/lb ins Wochenende – ein Wochenplus von rund 6,5 Prozent.
Robusta zeigte sich dagegen deutlich zurückhaltender. Die beginnende Ernte in Vietnam dürfte einen Teil der Sorgen um die zukünftige Versorgung dämpfen. Der Markt schloss leicht im Minus bei 3.414 USD/MT.
Viel Bewegung also. Aber noch keine eindeutige Richtung.
Die folgende Tabelle enthält wie gewohnt die wichtigsten kaffeerelevanten Marktdaten. Wir aktualisieren sie wöchentlich:

Nachrichten aus dem Ursprungsländern: Vietnam, Indonesien, Indien
Vietnam
In Vietnam hat die Kaffeeernte 2026/27 begonnen. Ihren Höhepunkt dürfte sie im November und Dezember erreichen.
Während die Diskussionen über das Wetter in diesem Jahr vor allem von den Sorgen über einen möglichen starken El Niño geprägt waren, entwickelten sich die Bedingungen in Vietnam in den vergangenen Monaten günstig. Reichliche Niederschläge sorgten für eine gute Bodenfeuchtigkeit und unterstützten die Entwicklung der Kaffeekirschen im zentralen Hochland.
Entsprechend positiv fallen die Prognosen für die neue Ernte aus. Der Foreign Agricultural Service (FAS) des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) rechnet derzeit mit einem leichten Produktionsanstieg auf rund 32,5 Millionen Sack, nach 31,7 Millionen Sack im Vorjahr. Robusta bleibt mit einem Anteil von rund 96 Prozent beziehungsweise 31,4 Millionen Sack die mit Abstand wichtigste Kaffeesorte des Landes.
Als einer der weltweit größten Kaffeeproduzenten wird Vietnam in den kommenden Monaten besonders im Fokus stehen. Entscheidend bleibt die weitere Wetterentwicklung im zentralen Hochland, insbesondere die Frage, ob und wie sich El Niño auf die letzten Phasen der Ernte auswirken könnte.
Aus der Logistik gibt es keine nennenswerten Neuigkeiten.
Indonesien
Indonesien steht am Beginn der Regenzeit, die üblicherweise von November bis März dauert. Nach einer ausgeprägten, von El Niño beeinflussten Trockenperiode werden die Niederschläge dringend erwartet. Die anhaltende Trockenheit hat zudem zahlreiche Wald- und Flächenbrände begünstigt.
Auf Sumatra war die Trockenheit weniger stark ausgeprägt, insbesondere im Norden der Insel. Dort werden auch in den kommenden Tagen regelmäßige Niederschläge erwartet.
Die Erntezeiten unterscheiden sich zwischen den indonesischen Inseln erheblich. Während die Robusta-Ernte weitgehend abgeschlossen ist und auch auf Sulawesi, Bali und Java die Erntearbeiten beendet sind, reifen auf Sumatra weiterhin die Kaffeekirschen. In Aceh und Nordsumatra nimmt die Haupternte inzwischen Fahrt auf.
Insgesamt wird für Indonesien mit einer geringeren Kaffeeproduktion gerechnet. Die Schäden, die der Zyklon Senyar im vergangenen Jahr verursacht hat, belasten den Sektor weiterhin. Neben den Verlusten auf den Kaffeeplantagen bleibt insbesondere die beschädigte Infrastruktur ein Problem. Straßen und Brücken befinden sich teilweise noch im Wiederaufbau, wodurch die Transportkosten im Inland weiterhin erhöht sind.
Indien
Indien befindet sich derzeit in der Monsunzeit, einer für das Land besonders wichtigen Phase des Jahres. Die Regenfälle füllen die Wasserreservoirs, sichern die Wasserversorgung, unterstützen die landwirtschaftliche Produktion und tragen wesentlich zur Stromerzeugung bei.
Nach Angaben des indischen Ministeriums für Geowissenschaften stehen die schwierigen Wetterbedingungen im Zusammenhang mit El Niño. Die Auswirkungen sind bereits in verschiedenen Landesteilen spürbar, sowohl in der Landwirtschaft als auch bei der Energieerzeugung.
Die ungünstigen Wetterverhältnisse könnten die Entwicklung der neuen Kaffeeernte beeinträchtigen, die üblicherweise gegen Jahresende beginnt. Der Foreign Agricultural Service (FAS) des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) erwartet für das Erntejahr 2026/27 aufgrund der wechselhaften Witterung und klimabedingter Belastungen einen leichten Produktionsrückgang.
Aus den Häfen Cochin und Mangalore gibt es keine nennenswerten Neuigkeiten.
Produktionsstatistik Asien Pazifik



































Urs zusammen mit Niklas, unserem Head of Spot Sales, auf dem Swiss Coffee festival 2025.
























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Nicht-EU-Markt (Kaffee-Ursprungsländer):






















